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Hinrichtung im Treppenhaus: Der Tod einer Partnervermittlerin (Rerun)

Shownotes

Akte Südwest macht eine kleine Sommerpause – deshalb gibt es diesen Monat einen Rerun aus dem Archiv.

Ein Mann auf der verbissenen Suche nach einer Frau und eine Vermittlungsagentur, die ihn dabei betrogen hat: Das sind die beiden Grundpfeiler eines Verbrechens, das sich im April 1997 in Leonberg ereignete. Dort tötete ein damals 35-Jähriger die Inhaberin eines Heiratsinstituts mit neun Schüssen aus einer Pistole. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer Hinrichtung, denn die 41-jährige Geschäftsfrau hatte keine Chance, dem Täter zu entkommen. Sie starb im Treppenhaus vor ihrem Büro im Kugelhagel.

In dieser Folge aus dem Archiv von „Akte Südwest“ spricht Nachrichtenchef Roland Müller mit Redakteurin Tanja Wolter über die Hintergründe des Verbrechens. Sie hat damals über beide Prozesse gegen den Todesschützen vor dem Landgericht Stuttgart berichtet.

Moderation: Roland Müller Produktion: Moritz Clauß Sprecherinnen: Leonie Maschke, Yasmin Nalbantoglu Gestaltung: Beniamino Raiola

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Transkript anzeigen

00:00:03: Hallo, Akte Südwest macht eine kleine Sommerpause.

00:00:06: Deshalb haben wir vor euch in diesem Monat eine Folge aus unserem Archiv herausgesucht.

00:00:10: In der nächsten Folge hört ihr dann wieder einen aktuellen Fall.

00:00:13: Das nur kurz als Vorrede.

00:00:15: und jetzt geht's los!

00:00:34: Im Treppenhaus eines Heiratsinstituts wurde eine einvierzigjährige Frau mit neun Schüsten aus einer Pistole regelrecht hingerichtet.

00:00:51: Der Täter, ein unzufriedener Kunde der sich von der Partnervermittlerin übers Ohr gehauen fühlt.

00:00:56: Vor Gericht stellt sie dann nicht nur die Frage wie es so weit kommen konnte sondern auch die ob bei dem höchst gefährlichen psychisch gestörten Täter Zitat Hopfen und Malz schon verloren ist oder ob man ihn doch noch therapieren kann.

00:01:09: Mein Name ist Rona Müller, Sie hören Akkes Südwest den Kriminalpodcast der Süd-Westpresse und bei mir ist heute meine Podcastkollegin Tanja Wolter.

00:01:17: Hallo Tanja!

00:01:17: Hallo Roland, schön dass wir hier mal wieder zusammensitzen.

00:01:21: Ja ab und zu interviewen wir uns als Moderator und gegenseitig in diesem Podcast.

00:01:25: die meisten von uns waren ja früher öfter auch vor Gericht unterwegs Und für diesen Fall musstest du auch ein bisschen tiefer graben.

00:01:32: kann man sagen

00:01:33: Ja, kann man definitiv so sagen.

00:01:35: Ich muss auch einräumen ich hatte diesen Fall selbst eigentlich schon längst vergessen und wir haben ja neulich ein bisschen zusammengestanden und überlegt welchen Fall wir in der nächsten Podcastfolge machen Und dann habe ich mich daran erinnert dass sich im Keller noch eine alte Kiste habe mit Unterlagen vom Gerichtsprozessen über die ich damals berichtet hab.

00:01:55: Ich war ja in den neunzig Jahren mehrere jahrefreie Gerichtsreporterin in Stuttgart Und dann habe ich da auch die Unterlagen speziell zu diesem Fall gefunden, hab mich dann da so ein bisschen eingelesen und mich dann immer mehr an die Einzelheiten erinnert.

00:02:12: Mir gedacht meine Güte – das war ja damals schon eine richtig heftige Geschichte – und sowohl juristisch als auch psychologisch ziemlich spannend der Fall.

00:02:22: Ja jetzt sitzen wir hier und reden darüber!

00:02:25: Jawohl dem, der seine Unterlage noch aufbewahrt und seine Schrift dann noch lesen kann Leider vor ein paar Jahren bei dem internen Umzug hier im Büro des Allermeiste an Gerichtsunterlagen weggeworfen, weil ich kein Messi sein wollte und habe ihn jetzt schon öfter darüber geärgert seit wir den Podcast machen.

00:02:41: Aber das heißt du hast noch einiges in der Schublade war noch mehr im Keller?

00:02:45: Also ich hab tatsächlich ungefähr sieben bis acht Fälle gefunden die ich nicht mehr so wirklich im Detail im Kopf hatte.

00:02:52: Die können wir hier aber durchaus nach und nach noch aufbereiten.

00:02:55: Ich bin dann quasi so ein bisschen für die antiken Fälle zuständig.

00:02:59: Ja Genau, also ein Lob auf den Keller und dann gehen wir gleich rein in unseren heutigen Fall.

00:03:49: Was uns heute sehr beschäftigen wird, ist ja die Psyche unseres Täters und seine Suche nach einer Frau.

00:03:55: Was hat denn unsere heutige Hauptfigur für eine Vorgeschichte?

00:03:59: Erzähl' uns mal ein bisschen was über ihn!

00:04:01: Also, der Mann ist Anfang der Sechziger geboren.

00:04:04: Er war zur Tatzeit im Frühjahr nineteen-neinzig also Mitte dreißig und er stammt aus der Sowjetunion hat da auch große Teile seiner Kindheit verbracht.

00:04:14: uns seine Eltern sind aber Deutschstämmige Und die Familie ist dann auch Anfang der siebziger Jahre in die Bundesrepublik gekommen klassische Aussiedlerfamilie.

00:04:23: Er war dann erst mal kurz in Krefeld ein paar Jährchen und ist dann Mitte der Siebziger in die Region Ulm gekommen.

00:04:30: Hier hat er dann auch seine ganze Jugend verbracht, eigentlich den großen Teil seiner Zeit bis zur Festmarme hier in der Region gelebt.

00:04:38: Er hatte einen Hauptschulabschluss gemacht, eine Malerlehre gemacht.

00:04:43: Er war aber zeitweise arbeitslos.

00:04:47: In den neunzigen Jahren war damals ein schwieriger Arbeitsmarkt im Vergleich zu heute.

00:04:51: hat sich also mit vielen Gelegenheitsjobs durchgeschlagen und was sich bis zu der Tat eigentlich durch sein ganzes Leben durchgezogen hat, von seinen jungen Erwachsenenalter ab an war.

00:05:06: Dass er ständig auf der Suche nach einer Frau war und auch ständig aus der Suchung nach Sexualpartnerinnen.

00:05:12: Und er ist auch wegen eines Sexualdelegts vorbestraft.

00:05:16: Das war in den Achtzkorn, da war er noch ein sehr junger Mann.

00:05:20: Hatte eine Anhalterin mitgenommen und diese sexuell genötigt im Auto.

00:05:25: Er musste dann zum ersten Mal schon eine Therapie absolvieren.

00:05:29: Das waren der JVA Ulm.

00:05:32: Damit ist klar also man hatte diesen Mann schon relativ früh auf dem Schirm als auffälligen Typ.

00:05:39: Ja, also man muss sagen es handelt sich auf jeden Fall um einen vorbestraften Sexualstraft hätte in dem Moment.

00:05:45: Das heißt was ich anfangs gesagt habe mit der Suche nach Liebe und so weiter das klingt natürlich etwas unangemessen verharmlosend aber es ist insofern du hast schon angesprochen nicht ganz falsch weil zumindest die suche nach einer Partnerin das ganze Leben ihn so beschäftigt hat gewisserweise wenn auch auch kriminelle Art dann

00:06:03: Also beschäftigt ist fast schon untertrieben.

00:06:05: Ich finde, er war gerade zu besessen davon eine Frau zu suchen.

00:06:09: Ich glaube auch Frau und Sexualpartnerin war dann immer eine Einheit bei ihm.

00:06:15: Und man muss sagen es ging eigentlich alles schief was er in der Richtung unternommen hat um seinen Ziel irgendwie näherzukommen.

00:06:23: also als junger Erwachsener hatte er Kontakte zu einer Klicke hier in Ulm und die haben ihn aber auch relativ schnell fallen gelassen.

00:06:33: über den Weg, hat er schon mal keine Freundin gefunden.

00:06:35: Dann war er vorübergehend bei Verwandten in Nordrhein-Westfalen und in Frankfurt hat er gewohnt und sich dort auch ganz gezielt immer noch Frauen umgeschaut.

00:06:45: Meistens über Zeitungsanossen war einer der damaligen Wege, Partnerschaftsanzeigen hatte aber auch alles keinen Erfolg.

00:06:54: Und dann hat er schließlich über eine Verwandte tatsächlich eine Frau kennengelernt die sogar relativ schnell geheiratet Und das war aber eine Ehe, die eigentlich sofort zu Bruch gegangen ist.

00:07:05: Also sie hat nur wenige Monate gehalten.

00:07:08: Die Trennung ging dann wohl auch von der Frau aus nicht von ihm, die wollte ihn einfach nicht mehr als Mann und es war aber dann auch die einzige Beziehung, die er überhaupt hatte.

00:07:17: Und wenn man jetzt mal seine ganze Suche nach der Frau jetzt so mal rekapituliert, im Gericht war von fünfhundert bis tausend Partner-Suchanzeigen von Frauen die Rede auf die er geantwortet hat.

00:07:30: Also deswegen auch der Begriff Besessen den ich eben verwendet habe und es ist aber nie irgendwas daraus entstanden.

00:07:39: Und daraus kann man dann auch schließen dass er definitiv kein Womanizer war.

00:07:42: Er hat wohl immer Frauen getroffen Die waren aber eher ganzen Verhalten immer sehr abgeschreckt von ihm und haben sich dann nie auf eine Beziehung mit ihm eingelassen.

00:07:55: Und um aber seine sexuelle Lust auch auszuleben, hat er sehr oft Prostituierte aufgesucht.

00:08:03: Ja und Mitte der neunziger Jahre ist er dann dazu übergegangen professionelle Partnervermittlungsagenturen zu beauftragen für ihn eine Frau zu suchen.

00:08:14: So Heiratsinstitute wie unser Fall in Leonberg, Ehe-Anbahnungsinstitute hatten wir da auch früher dazu gesagt.

00:08:22: Ja diese Partnervermittlungsagenturen es ist ja ein bisschen auch wie eine Zeitreise in der andere Welt der Partnersuche also die Partnersuche bevor es das Internet gab so'n bisschen fremde Welt von Anno Dazumal.

00:08:35: was sind denn das für den Branche dieser Heirat Vermittlungsagendturen und ist sie überhaupt seriös?

00:08:41: Also man kann Definitiv sagen, es war damals eine komplett andere Zeit.

00:08:45: Es hat ja gerade erst so angefangen sich das Internet zu verbreiten aber die meisten waren noch nicht so aktiv.

00:08:51: ist Gabber und noch nicht Dating-Apps die heute völlig normal sind wie Tinder auch keine Online Partner Börsen wie Paar Ship Und wer nicht im Club oder auf der Party oder im Beruf eine Freundin oder ein Freund gefunden hat, musste einfach andere Wege einschlagen.

00:09:10: Das waren zum einen die ganzen Such-Anoßen, die es gab in Medien – also vor allem jedes Stadtmagazin hat früher so Seiten gehabt.

00:09:18: auch jede Tageszeitung wahrscheinlich sogar die Südwestpresse hatte früher am Wochenende Anoßenpartnersuche geschaltet.

00:09:25: und dann der andere Weg waren diese Partner-Vermittlungsagenturen, wie in unserem Fall die gegen Geld Kontakte vermittelt haben.

00:09:34: Und ich würde jetzt nicht sagen dass Per se jetzt alle unseriös waren, aber es gab definitiv schwarze Schafe in diesem Bereich.

00:09:41: Also Tricksereien und Betrügereien war dann keine Seltenheit.

00:09:45: Es wurde auch immer davor gewarnt vor allem von Verbraucherschützern dass man da ganz genau hinschauen muss Auch auf die Verträge die man da unterschreibt.

00:09:54: also im Kleingedruckten waren oft irgendwelche Gemeinderheiten versteckt die einen finanziell geschädigt haben.

00:10:01: Oder es gab so Tricks wie, dass man Fotos von besonders attraktiven Frauen den Kunden gezeigt hat.

00:10:08: Und bei dem eigentlichen Treffen hat sich dann herausgestellt das die Frau ganz anders aussieht als die auf dem Foto, die man auserwählt hatte.

00:10:14: Dann gab's auch Probleme wenn Institute zum Beispiel gesagt haben Die Vermittlungsgebühren wird im Voraus bezahlt.

00:10:24: also weil manchmal waren ja die Wünsche nicht erfüllt hinterher und dann war aber das Geld schon weg.

00:10:29: Und in unserem Fall hat die Polizei auch ermittelt, wie dieses Institut in Leonberg aufgestellt war und da lief dann nicht alles erst rein.

00:10:38: Also so hat es einen Kommissar in dem späteren Gerichtsprozess dargelegt.

00:10:45: Es wurde ja auch festgestellt dass der angeklagte definitiv betrogen worden ist von dieser Partnerschaftsvermittlerin.

00:10:52: Dass ihm also falsche Tatsachen vorgespiegelt wurden sind um ihm sein Geld zu entlocken.

00:10:59: Und die Ermittler haben aber auch festgestellt, dass es zu echten Partnerschaften gekommen ist auf Grundlage von der Arbeit dieses Instituts.

00:11:10: Also das war jetzt keine Agentur, die komplett auf Betrug angelegt war oder einen, den nicht kompletten betrügerisches System da abgezogen hat.

00:11:22: und alles in allen so hat's der Richter dann auch dargestellt kann man... von der Branche irgendwie, von einer Grauzone sprechen.

00:11:30: Also es gab dubiose Agenturen, es gibt da aber auch seriöse und es gibt sogar die heute teilweise noch.

00:11:35: Es gibt Leute, die wollen das nicht übers Internet.

00:11:38: Ich denke mal gerade im Senioren-Seniorinnenbereich ist es durchaus noch üblich dass solche Agenturen eingeschaltet

00:11:45: werden.

00:11:47: Wurden denn vor allem oder war das in diesem Institut so Frauen aus dem Ausland an Männer in Deutschland vermittelt?

00:11:54: Oder war das alles bunt gemischt?

00:11:56: Also in dem Institut war es wohl so, die waren durchaus spezialisiert auf Frauen aus Osteuropa auch.

00:12:03: Aber ich denke mal das war ein breites Feld damals.

00:12:06: Es gab Agenturen, die wirklich auch nur, sag' ich jetzt mal Inländer und Innenländerinnen vermittelt haben.

00:12:14: Und es gab aber auch – so haltig war's damals viel im Bereich Thailand-Teiländerinnen, die vermittlet worden sind, Philippininnen, Klar, gerade bei den ausländischen Frauen war sich ja oft auch der Hintergrund dass sie natürlich gerne ein Leben in Deutschland führen wollten und sich dementsprechend gewünscht haben hier einen Mann zu finden und zu heiraten und ihr leben zu können.

00:12:42: Und zu diesem Zeitpunkt kommen wir zu unserem Täter zurück.

00:12:45: In nineteenundneunzig hat unser Mann auch schon Erfahrung mit diesen Agenturen seit einigen Jahren.

00:12:51: Also der Kontakt zu der Agentur, der kam in nineteenundneinzig zustande in Leonberg und er hatte aber vorher schon andere Institute besucht.

00:13:00: Und sichern die Gewand bei der Partnersuche unter anderem eines in Ravensburg.

00:13:05: Und da ist er so hat das selber dann später dargelegt wohl auch immer wieder hereingelegt worden also gerade diese Ravensburger Agentur.

00:13:13: Die hat ihm wohl mal eine Frau aus der Slovakia vermittelt und bei wohl herausgestellt hinterher beim Treffen, dass die schon einen Freund hatte und eigentlich gar nicht interessiert war an einer Beziehung.

00:13:26: Also das ist auch wiederum nur darum ging diese Vermittlungsgebühr zu kassieren.

00:13:32: Und er fühlte sich da immer wieder verarscht über den Tisch gezogen hat sich auch immer mehr Wut in ihm angestaut gehabt und man muss auch sehen er hat relativ viel Geld bei all dem liegen lassen.

00:13:46: also allein bei der Partnersuche hat er wohl und Zehntausend Mark aufbringen müssen.

00:13:52: Und so viel Geld hatte er aber gar nicht, weil er ja auch sehr, sehr viel da im Rotlichtmilieu unterwegs war, sehr oft Prostituierte besucht hatte und da allein schon Fünfzigtausend Mark hat liegen lassen.

00:14:05: Also für ihn war das schon eine finanzielle Geschichte.

00:14:13: Ja, bei dem Heiratsinstitut in Leonberg da war er dann erstmals anfang von aber mit der Inhaberin also den späteren Opfer.

00:14:22: In diesen Büroräumen hat Kataloge durchgeschaut sich für zwei Ukrainerinnen interessiert und er hat aber vom vornherein ganz klar gesagt ich möchte nur eine Frau die keine Kinder hat.

00:14:34: das war so seine Grundbedingung.

00:14:37: Und ein paar Wochen später wurde ihm dann signalisiert dass beide Frauen ihn auch kennenlernen wollen.

00:14:43: Und der Vertrag hat dann vorgesehen, pro vermitteltem Kontakt werden zwei tausend achthundert Mark fällig.

00:14:51: Und im April, da kam die erste Frau angereist – er hatte auch vor dem Treffen noch das Geld bezahlt, diese zweitausend Achthundertmark.

00:14:59: und die Frau, die hat aber wohl erst in Leonberg selbst ein Foto von ihm gesehen und dann war sie da wohl schon eher abgeschreckt, wollte ihn gar nicht mehr treffen.

00:15:09: Und die Heiratsvermittlerin, die wusste auch dass sie ein Kind hat.

00:15:14: Also das diese Bedingung schon mal nicht stimmt und Sie hat sie dann aber wohl so unter Druck gesetzt, dass sie sich zumindest auf dieses Treffen mit dem Mann einlässt also damit spielt.

00:15:26: Also einfach auch damit sie die Kohle behalten kann.

00:15:29: und es kamen dann zu dem Treffen.

00:15:32: Sie hat dann wohl auch bei ihm übernachtet die Frau und er muss da auch sexuell aufdringlich geworden sein.

00:15:38: Das hat sie wohl abgewährt, also man hat getrennt geschlafen in seiner Wohnung und am nächsten Tag hat sie ihn dann auch sofort gesagt dass ich keinen Interesse habe an ihm.

00:15:49: Sie hat ihm auch gesagt das sie Mutter ist und dann hat sie auch noch gesagt dass die Heiratsvermittlerin das auch weiß.

00:15:57: Okay, also es geht mal wieder alles schief.

00:16:00: Die vermittelte Frau will nichts von unserem Täter wissen.

00:16:03: Vielleicht kann man sie auch nicht verdenken und er ist auch wegen seiner Vorgeschichte jetzt richtig sauer!

00:16:09: Wie reagiert er denn diesmal?

00:16:11: Also alles was ich hier erzähle das beruht auf seinen eigenen Aussagen im Gerichtsaal und hat die ganze Vorgeschichten wirklich bis ins Detail nahezu agribisch geschildert.

00:16:24: Und demnach war er natürlich wut entbrannt, hat diese Frau geschnappt, sie ins Auto gesetzt und ist dann direkt zu diesem Hochzeitsinstitut nach Leonberg gefahren und hat sie zurückgebracht.

00:16:39: Dann hatte noch in dem Institut auch selbst die Polizei alarmiert, die sind dann auch gekommen.

00:16:44: Er hat sich ja betrogengefühlt, weil er auch nachvollziehbar war, dass er da versucht dagegen vorzugehen.

00:16:50: Und die Polizisten, die dann da anwesend waren, haben das aber wohl alles erst mal nicht so ernst genommen.

00:16:55: Haben dann zwar eine kleine Meldung gemacht, aber mehr nicht und bis zu der eigentlichen Tat sind dann noch einige Tage vergangen.

00:17:05: Also es war dann nicht sofort.

00:17:06: in der aktuellen Wut ist das alles nicht passiert sondern ein paar Tage später.

00:17:12: Und da gab es dann ja fast schon eine kleine Odyssey zu Strafverfolgungsbehörden, die er unternommen hat um wieder an sein Geld zu kommen.

00:17:21: Also ist dann nachdem die Polizisten da wieder gegangen sind am nächsten Tag zur Staatsanwaltschaft Stuttgart gefahren und hat da das gemeldet.

00:17:29: Die haben dann wiederum ihn zurückgeschickt nach Leonberg zur Polizei.

00:17:33: Dann ist er da wieder hingefahren, hat dort die Frau angezeigt wegen Betruges und Menschenhandels.

00:17:39: Das ist auch alles aufgenommen worden diese Anzeige.

00:17:43: Er hat sich selbst noch ein Anwalt gesucht damit er immer Akteneinsicht hat und hat dann die Partnervermittlerin auch selbst nochmal angerufen von ihr das Geld zurück gefordert Und da ist er dann wohl auch, hat er sie massiv bedroht auch gesagt.

00:17:59: Sie liege sonst ein Meter Achtzig unter der Erde.

00:18:03: Hat er ihn aber auch gemeint?

00:18:04: Nee das hat er nicht so ernst gemeint.

00:18:05: Er wollte damit nur seiner Geldforderung Nachdruck verleihen und dann ist er tatsächlich nochmal zur Polizei.

00:18:13: Hat da wiederum erfahren im Gespräch mit den Beamten dass diese Geschäftsfrau durchaus schon auffällig geworden ist, dass sie denn ermitteln, nicht ganz unbekannt ist.

00:18:25: und dann ist er wieder ins Büro gefahren.

00:18:29: Also wir sind jetzt schon mehrere Tage später und hat wieder das Geld eingefordert.

00:18:36: sie hat sich dann geweigert ihm das Geld zurückzugeben Und in dem Moment zieht er eine Pistole aus seiner Jacke.

00:18:44: Sie fliegt ins Treppenhaus Er läuft ihr hinterher und zielt von hinten neun Mal direkt auf ihren Körper drückt ab Und da hat das ganze Magazin dann leer geschossen.

00:18:56: Die Staatsanwaltschaft sprach später von einer Hinrichtung, das ist Eingangs schon bemerkt.

00:19:02: Acht Projektile haben diese Frau getroffen.

00:19:06: Mehrere davon direkt in den Oberkörperen Organe und die Wirbelsäule.

00:19:10: Und die Frau ist am Tatort verblutet.

00:19:15: Was man eigentlich meinen könnte danach flieht ein Täter.

00:19:18: Das war in dem Fall nicht

00:19:20: so.

00:19:21: Er hat dann einfach von sich aus die Polizei angerufen und sich festnehmen lassen.

00:19:25: Das ist eine eindrucksvolle Schilderung, die Sache kann man sagen komplett eskandiert.

00:19:30: Der Ablauf ist ein bisschen verworren, finde ich.

00:19:35: Einerseits will er die Anzeige, dann nennt ihr eine Pistole mit... Und bei Tötungsrektoren kommt's ja immer auf die Frage an nach dem Vorsatz.

00:19:42: Wollte er sie denn jetzt töten?

00:19:44: Wollt er Sie anzeigen?

00:19:45: oder warum hatte der die Waffe überhaupt dabei?

00:19:48: Ja, ist gar nicht so einfach zu beantworten.

00:19:50: Die Waffe selbst, das ist klar die hat er wohl auf dem Schwarzmarkt in Frankfurt erworben schon Jahre vorher also die hatte er länger schon, hat tausend Mark gekostet und er hat es damit begründet dass er ja auf dem Rotlichtbereich unterwegs war und da auch irgendwelche brutalen Zuhälter gibt Und er wollte einfach für den Fall von irgendwelchen Auseinandersetzungen eine Waffe haben, damit er sich schützen kann.

00:20:15: So hat er es dargelegt und der hat dann aber auch gesagt dass er mit der Pistole nur seine Geldforderung unterstreichen wollte also definitiv nicht vor hatte die Frau damit zu töten zu erschießen und er sei dann aber so war das Wort wörtlich gesagt total ausgeflippt und in dem Moment bricht dann auch seine Erinnerung ab.

00:20:37: an Einzelheiten Konnte er sich nicht erinnern, wollte er sich nie erinneren.

00:20:42: Also es war dann später im Gerichtssaal eine Art Geständnisleid wobei es ja überhaupt keinen Zweifel an seiner Täterschaft gab.

00:20:51: Er wurde ja am Tatort mit der Tatwaffe festgenommen.

00:20:55: Es ist alles etwas etwas bizarr vom Ablauf her und auch von seiner Motivation her.

00:21:00: Was hat denn die Staatsanwaltschaft aus dem gemacht?

00:21:02: Wurde er wegen Mordes angeklagt oder war es was anderes?

00:21:06: Also der Mann wurde angeklagt wegen Totschlags, nicht wegen Mordes und dann gab es noch den Vorwurf des Verstoßes gegen das Waffengesetz.

00:21:13: Die Waffe war ja idekal, die er da hatte.

00:21:15: Und ja, die Anklage ging tatsächlich nicht von einem Mord aus sondern auch von einem Ausraster kann man sagen also dass er einfach in dem Moment ausgetickt ist relativ spontan entschlossen hat, diese Frau zu töten.

00:21:33: Und es gab wohl auch bei den Ermittlungen jetzt nicht irgendwelche Hinweise die darauf schließen könnten dass er das tatsächlich geplant hatte.

00:21:41: Es kam dann zum ersten Prozess im Februar nineteen neunzig am Landgericht Stuttgart.

00:21:47: erst dort deshalb weil wir werden nachher hören es gab tatsächlich zwei Prozesse zu diesem Fall Und was da aufgefallen ist, also schon gleich am ersten Tag dieser Angeklagte der hatte ein riesiges Mitteilungsbedürfnis.

00:22:01: Also wirklich fast schon nervig ja vor allem was seinen ganzen Lebenslauf anging.

00:22:07: Da hat er auch alle die teils akribisch geschildert.

00:22:11: ich habe diese Aufzeichnung, das sind wirklich seitenweise handschriftliche Aufzeichnungen über sein Lebenslauf allein dabei und Er hat sich da grundsätzlich sehr, sehr gerne als Opfer dargestellt.

00:22:26: Der von anderen gemobbt gehänselt irgendwie geärgert wurde und alle waren immer gegen ihn.

00:22:32: Und demnach ist er auch ständig verprügelt worden als Kind, von seinem Vater, von seinen Bruder.

00:22:41: Er ist von Mitschülern beschimpft worden, gehänzelt worden.

00:22:44: Er hatte auch angegeben dass er von einem Nachbarn sexuell missbraucht wurde und vieles mehr.

00:22:52: Und ja, wir wissen nicht ob das im Detail alles so war.

00:22:55: Ob diese Schilderung stimmen ließ sich ja nicht nachvollziehen weil er hier in der Sowjetunion aufgewachsen ist.

00:23:01: aber bekannt ist zumindest über das spätere Gutachten dass er eine frühkindliche Hirnschädigung hatte.

00:23:08: also das sind Schäden am zentralen Nervensystem.

00:23:12: da kann es verschiedene Ursachen dafür geben Sauerstoffmangel gewesen sein, es kann eine Infektion gewesen sein.

00:23:19: Es kann aber auch einen Schlag auf den Kopf gewesen sein – Schädelverletzung.

00:23:24: Er war wohl verhaltensaufwändig schon als Kind später ja auch, sonst hätten die Frauen nicht alle immer reißaus sofort genommen und er hatte auch einen Sprachfehler auch wohl schon als kind.

00:23:38: also leicht hat das sicherlich nicht gehabt.

00:23:40: so viel kann man sagen.

00:23:42: Jetzt reden wir ja und die Staatsanwaltschaft auch von so eine Art Ausraste.

00:23:46: Ist das für dich glaubwürdig vom Ablauf her, von dem du ihn kennengelernt hast oder gesehen hast?

00:23:52: Man hat ja selber nach der Tat direkt Polizei gerufen und hat er denn dann auch hinterher bereut was er da angerichtet hat?

00:24:00: Also zur Frage der Glaubwürdigkeit... Ich weiß es ehrlich gesagt nicht so richtig.

00:24:06: Man kann's nicht so wirklich einschätzen, also ich finde es spricht ein bisschen dafür dass er ja wirklich erst versucht hat über den legalen Weg sie zu bestrafen.

00:24:15: Also man könnte meinen wenn jemand wirklich die Tat vorhat und sagt hey die hat mich betrogen die bringe ich jetzt um das dieser Entschluss dann auch relativ schnell fallen würde.

00:24:27: und so hat er sehr wirklich erstmal über viele verschiedene Wege versucht und ist aber nicht von Erfolg gekrönt gewesen, zumindest nicht auf die schnelle Art.

00:24:36: Das spricht vielleicht eher für seine Glaubwürdigkeit was ich in der Geschichte ein bisschen komisch immer finde.

00:24:41: er kann sich an alles erinnern, an seine ganze Kindheit, an die ganze Vorgeschichte der Tat bis ins Treppenhaus hinein nur an die eigentliche Tat, die vielleicht eine Minute war.

00:24:52: da hat er den totalen Blackout und kann sich angeblich an nichts erinnernen.

00:24:56: also das fand ich immer so ein bisschen Komisch.

00:24:58: Und zur Frage der Reue, ob er das irgendwie bedauert hat, kann ich nur sagen.

00:25:04: Der Kriminalkommissar, der ihn da am Tatort noch vernommen hat, der hat sich wirklich extrem über seinem Verhalten gewundert.

00:25:12: Denn er wirkte für jemanden, der gerade eine Frau erschossen hat, extrem ruhig.

00:25:18: und dieser Kriminalkomissar hat auch erzählt, er kennt vergleichbare Fälle sich von sich ausgestellt haben, normalerweise total verzweifelt sind.

00:25:31: Also wirklich nicht in Seelenruhe dastehen, sich festnehmen lassen und die Tatwaffe abgeben.

00:25:37: Und das war dann wohl so, dass er sich nur über den Betrug auch gegenüber diesen Polizisten aufgeregt hat und immer wieder betont hat, dass die Frau ihn ja abgezockt habe.

00:25:48: und selbst als dieser Polizist ihm ein Foto dann von dieser blutüberströmten Leiche gezeigt und gesagt hat Hallo, sie haben die erschossen.

00:25:57: Sie haben die umgebracht.

00:25:58: Die ist tot.

00:25:58: Die Frau hatte überhaupt keine Regung gezeigt und keine Reue.

00:26:03: Und er hat dann zwar gesagt, er wollte das nicht.

00:26:05: Das hat er wohl schon gesagt aber hat es dann immer so versucht darzustellen oder versucht die Tat so rechtfertigen also immer gesagt so nach dem Motto, sie ist ja eigentlich selber schuld.

00:26:17: Und erstes Opfer?

00:26:18: Genau!

00:26:20: Ja, das ist alles nicht so ganz normales handelsübliches Verhalten.

00:26:24: Du hast ja eine frühkindliche Hirnschädigung angesprochen.

00:26:26: Das kann ja auch ne Erklärung sein für aggressives Verhalten oder auch sehr empathiloses Verhalten und es gibt sich auch im Psychiatrisch-Gutachten und unsere Hörer haben sie vielleicht den Braten schon gerochen Der Gutachter ist auch ein alter Bekannter von unserem Podcast.

00:26:40: Tatsächlich der psychiatrische Gutachters war da Dr.

00:26:43: Peter Winkler.

00:26:44: Von dem haben wir hier schon öfters gehört Und er war ja auch mal Gast in einer Folge bei uns.

00:26:49: Er hat jetzt nicht direkt den Zusammenhang zwischen dieser frühkindlichen Hirnschädigung und dem aggressiven Verhalten dargestellt.

00:26:57: Aber er ist auch von der ganzen Lebensgeschichte, wie er das auch dargestellt hat und so wie er ihn erlebt hat bei der Untersuchung davon ausgegangen dass er wohl in seiner Persönlichkeitsentwicklung stark gestört war und dass das schon in der Kindheit angefangen hat.

00:27:14: Und bei solchen Gutachten geht es ja immer um die Frage der Schuldfähigkeit und der Steuerungsfähigkeit, sprich liegt bei einem Täter irgendwie eine schwere Grunderkrankung vor durch die er womöglich gar nicht erkennen konnte.

00:27:30: Dass er unrecht handelt.

00:27:33: Es kam heraus dass der Angeklagte auch schon ein paar Jahre vorher mal von einer Psychiaterin untersucht worden ist als auffällig eingestuft worden Und sie ihm sogar eine stationäre Behandlung empfohlen hatte.

00:27:47: Das hat er aber abgelehnt und ein Grund für eine Zwangseinweisung gab es damals nicht, ist das ja nichts vorgefallen damals.

00:27:55: Der Dr.

00:27:55: Winkler hat dann festgestellt dass er zumindest die für so eine schwere Grunderkrankungen, dass es da keine Anzeichen gibt sprich Schizophrenie psychose Schwere Depressionen.

00:28:07: Das lag bei ihm nicht vor und der Mann wirkte relativ normal, was die Auffassungsgabe anging oder seine Intelligenz.

00:28:17: Die war durchschnittlich und er hat aber festgestellt eine massive Persönlichkeitsstörung.

00:28:24: Er sprach von einem Egozentriker und auch einem Psychopathen ein Mensch der nicht selbstkritikfähig ist bei dem immer die anderen Schuld sind und durch diese Störungen emotional hoch instabil, massiv erregbar.

00:28:42: Also die Wutanfälle waren bei ihm wohl eine Tagesordnung und wortwörtlich hat der Gutachter gesagt ich halte ihn für gefährlich für ein Pulverfass und er hat dann auch diese verminderte Steuerungsfähigkeit zumindest nicht ausgeschlossen.

00:28:58: das ist aber davon abhängig gemacht zu welchem Schluss des Gericht kommt ob sie sagen spontane Tat oder vielleicht doch einen Plan dahinter steckt.

00:29:07: Ja, wir haben ja mit Peter Winkler auch eine eigene Podcast-Folge gemacht.

00:29:10: Du hast es schon erwähnt?

00:29:10: Die kann ich dann nur empfehlen!

00:29:12: Da kommen wir auch ein bisschen ausführlicher auf das Thema Persönlichkeitsstörungen zu sprechen.

00:29:16: also was macht denn eigentlich im Psychopathen aus und wie verhält sie's mit anderen Störungen?

00:29:21: die Folge kann nicht nur jedem ans Herz legen der sich für die psychiatrische Seite von Verbrechen wirklich interessiert aber in dem Fall war dass bei den Pulver fast dann auch wurde auch gleich noch demonstriert direkt im Gerichtsaal Denn dem Angeklagten hat die Diagnose nicht so ganz gefallen.

00:29:35: Nee, dem hat das definitiv nicht gefallen und er hat dann wirklich unter Beweis gestellt zu was er fähig ist oder zu was in der Lage ist.

00:29:44: Da war dann jeder, der im Gerichtssaal saß Zeuge davon und zwar war es zu dem Zeitpunkt da hat der Psychiater gesagt dass er die Schuld immer auf andere schieben würde.

00:29:55: und da ist der angeklagte dann schlichtweg komplett ausgetickt.

00:29:59: Er hat herumgeschrien, er rumgetobt mit seinen Fäusten auf den Tisch eingeschlagen.

00:30:03: Den Gutachter beschimpft wollte eigentlich auch aufspringen und auf den Los gehen.

00:30:08: Es gibt ja glücklicherweise im Gerichtssaal immer Justizvollzugsbeamte.

00:30:11: die haben ihn daran gehindert.

00:30:13: aber es war wirklich ein Topsuchsanfall par excellence.

00:30:18: Ja da ist erst mal die Spucke weggeblieben und jetzt war also eine kurze Schockstarre im Gerichtssaal und das ganze hatte dann zur Folge dass dem Angeklagten Fußfesseln angelegt worden sind, damit nichts passiert und die musste er auch für den Rest des Prozesses bis zum Urteil weiter tragen.

00:30:36: Ja nach dem Schreck moment ging der Prozess dann trotzdem ganz normal weiter?

00:30:40: Wie lautet denn am Ende dann das Urteil?

00:30:44: Man ahnt es ja fast schon nach diesem Auftritt.

00:30:46: auch das Gericht ist davon ausgegangen dass bei ihm eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit vorliegt eine psychische Störung und dass dieser Tatentschluss spontan erfolgt.

00:30:59: es einfach, weil er so auch zu dieser Erregung und zu dieser Wut neigt.

00:31:04: Und der Täter wurde dann wegen Totschlags verurteilt zu zehn Jahren Gefängnis.

00:31:10: und zugleich hat das Gericht angeordnet, dass er danach verbüßend seiner Haftstrafe auf unbestimmte Zeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden muss einerseits um sich therapieren zu lassen, aber vor allem auch um die Allgemeinheit für ihn zu schützen.

00:31:25: Weil er wurde schlichtweg als sehr gefährlich eingestuft.

00:31:30: Ja interessant fand ich damals noch.

00:31:31: das Gericht hat sich wirklich sehr verwundert gezeigt dass es angesichts dieser Gefährlichkeit in ihm ist nicht längst schon früher zu einer vergleichbaren Tat gekommen.

00:31:44: Und sie haben auch festgestellt oder gesagt, dass er sich die Chancen überhaupt jemals bessert als sehr gering einstufen.

00:31:53: Das war auf Grundlage des Gutachtens, das er nicht unbedingt als Therapierbar gilt und zu seinen Gunsten wurde allerdings gewertet, dass der Partner von mittleren Betrogen worden ist.

00:32:12: Gefährliche Straftäter, das haben wir auch schon im Podcast öfter erläutert.

00:32:17: Bei denen man glaubt, dass sie wieder töten können, die kommen ja oft in die sogenannte Sicherungsverwahrung.

00:32:22: Das ist in diesem Fall nicht so.

00:32:24: stattdessen wird eine psychiatrische Unterbringung angeordnet.

00:32:28: Warum?

00:32:29: Sicherungs Verwahrungen heißt ja, dass der Täter oder die Täterin dann nach der Haftstrafe normalerweise im Gefängnis bleibt also hinter Schlossung Riegel, manches sogar bis an ihr Lebensende.

00:32:42: Und in unserem Fall hat es aber an den Voraussetzungen gefehlt, weil er ist ja kein Mehrfachtäter.

00:32:49: Diese sexuelle Nötigung aus den Achtzigerjahren war jetzt nicht einschlägig.

00:32:52: Das war dieses Mal ein Tötungsverbrechen – das hat man da nicht eingerechnet.

00:32:57: Also von daher liegt sein erstes schweres Gewalt verbrechen.

00:33:04: Und was das Urteil aber so besonders gemacht hat, ist die Reihenfolge.

00:33:09: Bei ihm hieß es ja erst muss er ins Gefängnis danach kommt die Psychiatrie und das ist eigentlich total ungewöhnlich denn normalerweise macht man's umgekehrt.

00:33:20: wenn jemand als psychisch krank oder gestört oder irgendwie gilt dann denkt man ja auch ist ja naheliegend, der muss erst mal therapiert werden und erst dann sitzt er halt seine Strafe ab.

00:33:31: Und hat man in seinem Fall aber davon abgesehen?

00:33:35: Man hat mehrere Gründe dafür genannt.

00:33:38: einmal ... Hat das Gericht gesagt, er muss ja erst einmal erkennen dass er überhaupt Unrecht getan hat.

00:33:45: wegen dieser manglenden Reutje lag das ja bislang überhaupt nicht vor.

00:33:49: Und man hat auch gesagt wenn er überhaupt nur ein Also wenn eine Therapie überhaupt nur ein bisschen von Erfolg gekrönt sein könnte, dann muss das eigentlich in einem Zeitraum stattfinden wo schon Lockerungen möglich sind.

00:34:03: Wo er zum Beispiel schon arbeiten kann in Freiheit und dann hätte er vielleicht eine kleine kleine Chance sich zu bessern seinen Verhalten.

00:34:11: aber das war zu dem Zeitpunkt ja überhaupt nicht denkbar.

00:34:15: Er hat die Frau hingerichtet.

00:34:17: sie ist um ihr Leben gerannt in diesem Treppenhaus und er hat sie auf der Flucht erschossen.

00:34:22: Also an Lockerungen oder besondere Bedingungen war da nicht zu denken.

00:34:27: Du hast ja gesagt, es ist ein ungewöhnliches Urteil weil normalerweise zuerst die Psychiatrie dran ist und dann die Haftstrafe drauf folgt.

00:34:36: das sehen die Anwälte auch so?

00:34:37: Und sie gehen dann auch in Revision?

00:34:40: Ja, die sind tatsächlich in den Revision gegangen und das ist ja auch ein Einfallstor für einen Angeklagten und seine Verteidigung.

00:34:46: also das lässt man lieber vom höchsten Gericht auch überprüfen Ganze vor dem Bundesgerichtshof nach Karlsruhe gegangen und die haben dann dieses erste Urteil tatsächlich aufgehoben, allerdings nur teilweise.

00:35:02: Also Sie haben das Strafmaß an sich gar nicht gerügt diese zehn Jahre und auch die ganzen Feststellungen zur Tat.

00:35:08: An sich fanden sie alles in Ordnung, aber eben diese gewählte Reihenfolge ersthaft an Psychiatrie – das haben sie beanstandelt!

00:35:17: Und der Fall ging dann tatsächlich zurück auch eines Stuttgarter Landgerichtes.

00:35:21: Es gab einen zweiten Prozess.

00:35:23: Das war dann auch eine andere Strafkammer und interessanterweise ist das zweite Urteil dann aber gar nicht so viel anders ausgefallen.

00:35:32: Der Dr.

00:35:32: Winkler war da wieder als Gutachter, vor Ort hat wieder das Gleiche eigentlich auch zu der Persönlichkeit des Täters gesagt – auch das gleiche zu seinen, sagen wir mal geringen Therapiemöglichkeiten und es war dann im Endeffekt so dass man nur die Haftzeit verkürzt hat.

00:35:52: also er musste erst ins Gefängnis dann aber nur für fünf Jahre und acht Monate nicht die ganzen zehn Jahre und dann sollte er therapiert werden.

00:36:03: Und so wollte man im Prinzip die Möglichkeit eröffnen, dass er auch wie andere Straftäter bei guter Führung eventuell an Teil seiner Strafe am Schluss erlassen bekommt und auf Bewährungen

00:36:18: freikommt.".

00:36:19: Ist es aus deiner Sicht ein deutlich milderes Urteil nach der Revision und vielleicht auch ein unangemessen mildes Urteil für die Tat, oder wie sollen wir das einordnen?

00:36:29: Also zu milde würde ich nicht sagen.

00:36:32: Es ist Aussicht des Angeklagten wohl eher ein fairer Urteil was die Richter in dem zweiten Prozess gesprochen haben.

00:36:41: weil normalerweise hat man ja als Verurteilter die Chance, nach zwei Dritteln auf Bewährung freizukommen.

00:36:50: Wenn man sich dann gut führt in der Haft wenn es da keine weiteren Vorkommnisse gibt und die hätte man ihm bei dem ersten Urteil wo er die zehn Jahre komplett absitzen muss ja verwehrt diese Chance wenn man gesagt hätte erst danach kommt die Therapie.

00:37:07: Und so mit diesen fünf Jahren und acht Monaten hat man ihm diese Chance eröffnet.

00:37:12: Sehr einfach früher zur Therapie kann, und ihm damit ja auch die Chance eröffnet sich vielleicht doch noch zu bessern.

00:37:23: Die Psychiatrie im Maßregelvollzug den Anschluss an die Haft ist ja auf unbestimmt Bezeit verhängt worden das heißt quasi Open End.

00:37:33: Weißt du zufällig, was aus ihm geworden ist?

00:37:35: Ob er jemals rausgekommen ist?

00:37:37: Nein.

00:37:38: Das kann ich leider nicht sagen.

00:37:40: Ich denke mal ... Es ist sehr lange her.

00:37:43: Wenn ihr jetzt diese fünf Jahre, acht Monate im Gefängnis saß danach in Therapie.

00:37:47: Ich meine das war sieben und neunzig.

00:37:49: Achtundneinzig war das Urteil.

00:37:52: Ist jetzt fünfundzwanzig Jahre her.

00:37:55: Also es muss schon viel passiert sein auch in der Therapie... er jetzt nicht in Freiheit wäre.

00:38:02: Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, aber können wir jetzt leider auf die Schnelle nicht nachvollziehen?

00:38:08: Dann wären wir auch am Ende unserer Folge.

00:38:11: Ich sage nochmal vielen Dank Tanja dass du uns diesen Fall mitgebracht hast und den im Keller gefunden hast in der Schachtel.

00:38:18: Wir freuen uns auf die weiteren Folgen noch.

00:38:21: Ja vielen Dank!

00:38:21: Ja

00:38:22: gerne geschehen.

00:38:26: Akte Südwest ist eine Produktion.

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