Die Spur vom Dachboden: Der Cold Case Renate Borst (Teil 2)
Shownotes
Eine brutale Vergewaltigung, ein unerbittlicher Würgegriff, Schläge mit einem Stein gegen den Kopf: Die grausame Tat, die einem Mann aus der Ulmer Region vorgeworfen wird, steht im krassen Gegensatz zur Person, die vor dem Landgericht erscheint: Der 70-jährige Senior wird im Rollstuhl in den Gerichtssaal gefahren, er braucht ein Atemgerät, um genug Luft zu bekommen – und er bestreitet alles. Vor 41 Jahren soll er die damals 31-jährige Renate Borst vergewaltigt und ermordet haben. Nach all den Jahrzehnten muss das Gericht entscheiden: Ist dieser Mann wirklich ein Mörder? Darüber spricht Host Roland Müller mit den Reporterinnen Julia Horn und Verena Eisele, die die ersten Tage eines außergewöhnlichen Indizienprozesses schildern – und erklären, wie die Chancen stehen, dass nach 41 Jahren die Wahrheit ans Licht kommt.
Akte Südwest ist eine NPG-Produktion – in Zusammenarbeit mit der Südwest Presse, der Stuttgarter Zeitung und dem Schwarzwälder Boten.
Moderation: Roland Müller Produktion: Moritz Clauß Sprecherin: Yasmin Nalbantoglu
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Transkript anzeigen
00:00:09: Akte Südwest, der Kriminalpodcast.
00:00:16: Eine brutale Vergewaltigung ein unerbittlicher Würgegriff Schläge mit einem Stein gegen den Kopf und vielleicht das Überfahren des Opfers mit einem Auto.
00:00:28: Diese grausame Tat die einen Mann aus der Ulmer Region vorgeworfen wird steht im krassen Gegensatz zu der Person die von dem Landgericht erscheint.
00:00:36: Der siebzigjährige Senior wird im Rollstuhl in den Gerichtssaal gefahren.
00:00:40: er braucht ein Atemgerät um genug Luft zu bekommen.
00:00:44: Und er bestreitet alles!
00:00:46: Vor inzwischen einen Vierzig Jahren soll er die damals einund dreißigjährige Renate Bost vergewaltigt und ermordet haben.
00:00:53: Nach all diesen Jahrzehnten muss das Gericht nun entscheiden, ist dieser Mann wirklich ein Mörder?
00:00:59: Wir sprechen heute bei Akke Südwest zum zweiten Mal über den Mordfall Renate Borst.
00:01:04: Mein Name ist Roland Müller und bei mir im Studio sind wieder Julia Horn und Verena Eisele aus unserer Regionalredaktion in Ulm.
00:01:11: Hallo ihr beiden, willkommen zurück im Studio.
00:01:14: Ja hallo Roland schön dass wir wieder hier sein dürfen und dir ein Update geben dürfen zu dem Fall
00:01:20: ja auch von mir.
00:01:21: hallo schön das wir hier sein können.
00:01:24: Wir sind wie gesagt zur zweiten mal hier versammelt im studio für diesen fall und wir empfehlen natürlich die Folge eins zum Cold Case Renate Borscht nochmal anzuhören falls ihr sie noch nicht gehört habt das Schleunigst nachzuholen.
00:01:38: Dennoch sage ich jetzt in aller Kurze einmal noch mal die Fakten.
00:01:43: Renate Borscht wurde am zehnten März von Spaziergängerinnen im Kreisköppingen gefunden, ihre Leiche lag nackt und mit einem Büstenhalter um den Beinen.
00:01:54: im Wald war sie schwer entstellt und lag da wohl schon mindestens eine Woche.
00:02:01: Die Leiche wird identifiziert.
00:02:02: später als die einendreißigjährige Renate borscht Eine junge Frau, die am Rande der Gesellschaft lebte damals – zuletzt auch ohne festen Wohnsitz und sich im Göppinger Bahnhofsmilieu herumtrieb.
00:02:15: Unter anderem in der berühmt-berüchtigten Szenekneipe namens Milchbar.
00:02:19: Die Polizei ermittelt damals länger in dieser Szene.
00:02:22: mehrfach geht sie Zeugenaussagen nach, macht Aufrufe nachdem Renate Burst in Begleitung von Männern gesehen wurde und sucht nach diesen Männern.
00:02:30: aber irgendwann verläuft das alles im Sande….
00:02:33: Und es wird ruhig um den Fall!
00:02:35: bis im April, twenty sechs von zwanzig ein Verdächtiger verhaftet wird.
00:02:40: Eben jener siebzigjährige der nun in Ulm vor Gericht steht.
00:02:44: das sind die Fakten.
00:02:46: bisher habe ich das alles so richtig zusammengefasst Julia?
00:02:49: Ja genau wobei im Prozess dann natürlich noch mehr rausgekommen ist.
00:02:54: wir sind ja immer davon ausgegangen dass die beiden sich dann eben auch an dieser Milchbar getroffen haben könnten.
00:03:00: Es kam jetzt im Prozess raus, dass die wohl in verschiedenen Kneilpen und Wirtschaften verkehrten.
00:03:07: unter anderem wurde auch immer wieder eine Kneipe genannt namens Sorg oder Zorg so hieß wohl der Würde dieser Kneipe, die auch in Göpping war.
00:03:14: und ja da waren wohl echt auch zwielichtige Gestalten unterwegs Kleingernoven Prostituierte, Zuhälter und von dieser Wirtschaft haben wir davor nichts gewusst.
00:03:26: ansonsten Genau, so das richtig zusammengefasst und es sind so die Fakten mit denen wir auch in dem Prozess gestartet sind.
00:03:33: Es kam nochmal eine andere Diskothek oder Kneipel dann auch auf dass live in Eislingen, Eislinge ist nur wenige Kilometer von Göppingen entfernt wo sich wohl der Angeklagte und Renate Borst getroffen haben.
00:03:47: zumindest wurden sie dort gemeinsam gesehen laut der damaligen Akte.
00:03:51: Und vielleicht noch eine ja vielleicht Kleinigkeit vielleicht auch nicht.
00:03:56: Wir sind sehr davon ausgegangen, dass sie mit diesem BH gefesselt war an den Beinen.
00:04:01: So stand es auch in der Anklage drin.
00:04:03: Jetzt im Prozess kam raus, dass dieser BH eher um ihre Füße geschlungen oder sich befunden hat.
00:04:11: aber eine richtige Fesselung war es wohl doch nicht.
00:04:15: Auch zur Liegezeit was er angedeutet das war uns natürlich dann noch nicht so ganz klar.
00:04:20: wie lange lag sie da.
00:04:21: Es war wohl mindestens ne Woche und höchstens drei Wochen.
00:04:25: Das hat sich auch konkretisiert.
00:04:28: Ja, wir haben hier ja öfter Fälle aus Göppingen oder der Region-Göppinge.
00:04:32: ein bisschen erstaunt bin ich schon das in den achtziger Jahren da schon einiges an Kleingarn-Noventuben und zwielichtigen Kneipen existiert hat.
00:04:41: aber man landet nie aus und wenn es keine weiteren Einwände gibt dann beenden wie hier mit diese kleine Rückschau und jetzt geht's dann gleich los mit allem was seit Folge eins passiert ist.
00:04:52: Ja, dieser Cold Case Renate Bors der verfolgt uns ja schon seit einigen Monaten und gibt uns auch als Reporter Rätsel auf gerade weil alles so lang her ist.
00:05:01: Und im Dunst der Geschichte versunken.
00:05:04: wir haben in den letzten Folge eure Recherchen nachvollzogen und gemerkt wie schwierig es auch war trotz großer Anstrengungen nach über vierzig Jahren diese Puzzleteile und Infos zusammen zu kriegen.
00:05:16: umso mehr baut sich natürlich dann auch bei uns die Spannung auf bei den Hörerinnen und Hörern wahrscheinlich auch, bis es dann wirklich zum Prozessauftakt kommt.
00:05:25: Und dann endlich mehr Licht ins Dunkel.
00:05:27: Ihr seid Anfang Oktober beide zum Prozesse gegangen?
00:05:30: Es gab auch schon einen weiteren Termin.
00:05:33: Erzählt doch einfach mal wie war euer Eindruck jetzt vor Ort an diesem Auftakt?
00:05:38: was habt ihr da so wahrgenommen?
00:05:39: Ja es gab auf jeden Fall schon größeres Interesse.
00:05:43: also das ganze Jahr hat stattgefunden in einem eher kleinen Gerichtssaal Also nicht in dem großen Saal Und da waren die Plätze schon ordentlich besetzt.
00:05:52: Es waren viele Pressevertreter vor Ort, viele Journalistinnen und Journalisten mit Kameras auch einige Neugierige, die wahrscheinlich einfach sich interessiert haben für diesen Prozess.
00:06:03: Man hat schon gemerkt dass es jetzt nicht so ein zero acht fünfzehn Fall ist sage ich mal zum einen natürlich weil's um Mord geht das ist natürlich immer was was die Öffentlichkeit interessiert und zum anderen aber eben auch weils dieser Cold Case ist der schon so lange quasi auf eine Aufklärung erwartet und jetzt vielleicht doch noch gelöst wird.
00:06:22: Was mir oder uns auch gleich aufgefallen ist, dass die Familie das Angeklagten auch vor Ort war also die Frau und die Tochter davon gehen wir zumindest aus.
00:06:32: Die waren auch im Gerichtssaal wurden dann aber rausgeschickt weil sie als Zeugin wohl noch geladen werden und da natürlich nicht beeinflusst werden sollen von dem was jetzt im Prozess
00:06:43: passiert.".
00:06:44: Das heißt zum Verständnis für die Zuhörerinnen Die sitzen dann einfach auch im Saal und werden dann, also man sieht ja da nicht das ist die Angehörigen sind wahrscheinlich.
00:06:55: Und werden dann auch vom Richter angesprochen und aufgerufen.
00:06:58: Also der Richter fragte ob Familienangehörige im Raum sind?
00:07:03: Ehrlicherweise.
00:07:04: daraufhin hat sich zunächst niemand gemeldet.
00:07:05: Dann wollte der Richters schon weitermachen.
00:07:07: Der Staatsanwalt hat dann darauf hingewiesen dass Familien-Angehörige in Publikum sitzen Woraufhin dann die Tochter und die Ehefrau aufgestanden sind.
00:07:15: Und sich zu erkennen gegeben haben, und die Frau hatte auch direkt gesagt sie wolle nichts aussagen.
00:07:20: Worauf hin denn der Richter etwas abgebremst hat?
00:07:22: Und meinte Moment langsam aber er hat sie dann gebeten den Raum zu verlassen was sie dann auch getan haben wobei Sie glaube ich das nicht so ganz verstanden haben.
00:07:35: Wenn eben Personen als Zeugen in Frage kommen oder geladen sind um sie nicht zu beeinflussen, sollen Sie vom Gerichtsverfahren selber bis dahin nichts mitbekommen.
00:07:44: Das ist ganz normal vor Gericht!
00:07:47: Es ist ja dann auch immer dieser Auftakt der Moment an dem man zum ersten Mal den Angeklagten sieht in aller Regel zumindest.
00:07:54: wie war denn da euer Eindruck?
00:07:56: Ja also wir haben Ihnen schon kurz gesehen als er mit dem Aufzug hochgefahren ist zum Gerichtssaal.
00:08:01: das war so der erste Moment wo wir dann auch gleich vermutet haben da muss es sich jetzt um den An geklagte handeln.
00:08:07: Der hatte so einen Plaus-Shirt an, betruckte Fliesjacke drüber.
00:08:12: Ja graue lichte Haare in der Jogginghose und Crocs diese Gummischuhe.
00:08:17: Und ich war im ersten Moment wirklich ein bisschen überrascht und auch ja fast schon ein bisschen geschockt wie krank und alt er aussieht.
00:08:27: Er ist ja siebzig Jahre alt, er könnte aber durchaus für Achtzig oder noch älter durchgehen wenn man ihn so auf der Straße sieht.
00:08:35: Man hat ja aus so einem Sauberstoffversorgung wird anscheinend irgendwie mit Sauberstoff versorgt.
00:08:41: Das waren so die ersten Eindrücke vom Angeklagten?
00:08:45: Ja, bei mir hat sich das Bild verfestigt wie er davon im Wachtmeister in seinem Rollstuhl eben in den Saal geschoben wird am ersten Tag weil wir haben wie gesagt sehr viel Presse vor Ort und wie ihn dann tatsächlich wie man sich das so ein bisschen vorstellt Wie die Blitzlichter der Kameras losgingen und auch das Knipsen Und wie er dann versucht hat, seinen Gesicht mit seinem Fließpully zu verdecken und gar nicht genau wusste was jetzt da eigentlich gerade passiert.
00:09:09: Außerdem haben die Wachtmeister auch immer seine Sauerstoffversorgung im Blick Fragen nach ob er versorgt ist.
00:09:15: Was mir auch noch aufgefallen ist, er redet sehr schwäbisch so wie man das hier halt kennt.
00:09:20: Also es heißt der hat sich auch geäußert?
00:09:23: Hat er selber auch gesprochen oder hatte das meiste sein Anwalt sagen lassen?
00:09:28: Er hat eine Erklärung vorlesen lassen durch sein Anwald in seinem Namen und hat dann aber auf Nachfragen vom Gericht schon auch selbst relativ ausführlich geantwortet.
00:09:37: Das hat sich auch eine ganze Weile gezogen, diese Fragen und Antworten.
00:09:41: Genau er hat auch schlecht gehört oder hört schlecht, hat dann immer wieder auch gebeten dass man lauter spricht.
00:09:48: war sie eben zu diesem Bild noch beigetragen hat eines eher kranken alten Mannes.
00:09:54: Wie hatte Sie sonst verhalten während der doch wahrscheinlich auch langen Prozess Tage teilweise?
00:09:59: Ja, also relativ unauffällig eigentlich fand ich.
00:10:02: Relativ ruhig.
00:10:03: Er hat auch Benik Fragen gestellt oder Bemerkungen gemacht.
00:10:06: Also die Angeklagten dürfen das ja.
00:10:08: Die dürfen nach jeder Zeugenaussage, dürfen sie selber auf Fragen stellen?
00:10:13: Das hat er zumindest am ersten Prozesttag nicht gemacht.
00:10:17: Einmal hatte er eine Bemerkung zu diesen zahlreichen Verletzungen, die bei der Objektion festgestellt wurden.
00:10:24: Es war aber eigentlich so das einzige Mal, dass er sich da wirklich wie aktiv eingemischt hat.
00:10:29: Ja ansonsten unauffällig also wenn man ihn jetzt so sehen würde älterer Herr nicht im besten gesundheitlichen Zustand.
00:10:38: mehr ist da tatsächlich nicht aufgefallen mal abgesehen von den Inhalten, die er dann natürlich von sich gegeben hat.
00:10:45: Aber da gehen wir später nochmal drauf ein.
00:10:50: Aufgenommen haben, da lagen uns ja viele Informationen noch nicht vor.
00:10:55: Und auch die Details der Anklage würden dann erst später öffentlich bekannt.
00:11:00: Das heißt es gibt ein bisschen was nachzuholen an Infos und auch der Gerichtsprozess beginnt damit dass die Staatsanwaltschaft die Anklages vorträgt.
00:11:11: Was wird denn dem Mann jetzt genau vorgeworfen im Detail?
00:11:14: Ja, also die Staatsanwaltschaft regiert davon aus dass die Tat entweder am einundzwanzigsten oder zweitzwanzigstem Februar nineteenhundertfünfundachtzig geschehen ist.
00:11:24: Den genauen Tatzeitpunkt wissen sie auch nicht.
00:11:28: Er soll dann die Renate Bors damals mit dem Auto zu einem Waldweg mitgenommen haben wo er sie dann auch vergewaltigt haben soll und gewürgt haben soll.
00:11:38: Und um diese Tat so verdecken – also diese Vergewaltigung und auch das Würgen – soll er sich getreten haben, geschlagen haben sogar eventuell mit einem Auto überrollt haben.
00:11:52: Er soll sie auch mit einem Stein dann auf dem Kopf geschlagen.
00:11:57: und die Staatsanwaltschaft geht jetzt tatsächlich noch davon aus dass dieser BH den man ja an ihr gefunden hat auch dazu genutzt wurde sie so diesen Abhangdienst da gab an dem Waldweg runterzuschleifen Und ja, dass sie dann da als sie unten lag.
00:12:11: Dass er da auch weitergemacht hat also das dann eben dieser Stein zum Einsatz kam der ihr auf den Gesichtschädel zertrummert hat mutmaßlich.
00:12:18: Also diese Verletzung hat man zumindest gefunden und es war wirklich auch schockierend weil so viele Verletzungen an ihr gefunden wurden.
00:12:28: Der Staatsanwalt hat die dann aufgezählt ist waren wirklich Eine Quetschung der Leber, Blutergüsse an der Prost.
00:12:35: Die Rippen waren gebrochen, das Zungenbein war gebrocht und mutmaßlich durch das Bürgen.
00:12:39: Also man hatte dann automatisch so ein Bild im Kopf von einer wirklich geschundenen Frau oder eine geschundene Leiche die da abgelegt wurde?
00:12:49: Ja, die Staatsanwaltschaft spricht ja auch von einem absoluten Tötungswillen, der häufig zitiert wird bei so einem Gewaltexzess.
00:12:58: Es hat ja noch mal einen Gerichtsmediziner ausgesagt, der sich die Akten nochmal angeschaut hat und die Obduktion von damals nachvollzogen.
00:13:07: Was kam denn dabei noch raus?
00:13:09: Genau also das ist ja schon auch etwas eher Ungewöhnliches.
00:13:12: normalerweise führt der Gerichtsmediziner die Obduktion durch und erstellt einen Gutachten.
00:13:17: Das war jetzt natürlich nicht möglich ein vierzig Jahre später.
00:13:21: D.h.,
00:13:21: der Dr.
00:13:24: Den Sektionsbericht, so hieß es vorgenommen von damals und hat eben nachvollzogen ob das Sinn ergibt was da drin steht.
00:13:30: Ob das ja so gewesen sein kann?
00:13:33: Und er geht jetzt davon aus im Nachhinein dass dieser Stein zum Einsatz kam.
00:13:38: das darf den Sturmbereich von der Renatebost eingeschlagen worden ist.
00:13:43: mit dem gleichen Tatwerkzeug also auch mutmaßlich einem Stein könnte die Fraktur im Kieferbereich entstanden seien.
00:13:50: Dann gab es ja auch erhebliche Verletzungen im Rumpfbereich, Rippen-, Serienbrüche und Blutungen.
00:13:57: Und da kommt es eben in Frage das der Täter mit dem Auto auf sie draufgefahren ist oder auch mit Stampf dritten also wirklich festem Dritten mit seinen Schuhen auf sie eingetreten hat.
00:14:08: Das könnte die Verletzung auch erklären.
00:14:11: Ihre Leber war ja gequetscht und das Zungenbein gebrochen wie gesagt.
00:14:14: Es stammt eben auch laut Kunst von diesem Würgevorgang.
00:14:19: Es ging natürlich auch noch um die Frage, ob es Verletzungen gibt auf eine Vergewaltigung hindeuten.
00:14:24: Sie wurde ja nackt gefunden und hat Sperma an ihr gefunden.
00:14:27: Solche Verletzung gab's allerdings nicht.
00:14:29: Wobei man dazu sagen muss, dass das sowieso schwierig ist.
00:14:34: Selbst wenn sicher ist, dass es eine Ver Gewaltigung gab, muss das nicht unbedingt zu körperlichen Verletzen führen.
00:14:39: Andersrum kann aber auch einvernehmlicher Sex zu kleinen Verletzingen führen, obwohl sie keine Vergewaltung war.
00:14:46: Das nachzuweisen ist sehr schwierig.
00:14:48: Und ja, als Todesursache kommt dann entweder dieses Würgen in Frage.
00:14:54: Also mutmaßliche Würgen muss man sagen oder eben auch die Gewalt gegen den Schädeln.
00:14:58: also das lässt sich jetzt im Nachhinein einfach nicht mehr ganz sicher feststellen.
00:15:03: es ging dann auch noch kurz um die Frage ob der Auffindeort an diesem Waldweg auch der Tatort gewesen sein könnte.
00:15:09: und da hat er dann der Dr.
00:15:10: Kunstang gesagt dass wäre rein theoretisch auf jeden Fall möglich.
00:15:14: Also auf jeden fall wird aus diesen Fakten denke ich klar war es Martyrium gewesen sein, dass Renate Bosta erleben musste.
00:15:22: Also unfassbare Gewalt, Tötungswillen.
00:15:25: und da schließen sich natürlich nach vierzig Jahren auch ein paar existenzielle Fragen an.
00:15:29: die wird später noch anschneiden werden.
00:15:32: aber nun mal eurer persönliche Eindruck.
00:15:34: jetzt kriegt man diese Tat wenn man sie geschildert bekommt irgendwie in Verbindung mit der Person die auf der Anklagebank sitzt.
00:15:41: Nee, aber da muss man sich auch so ein bisschen die Frage stellen.
00:15:44: Wie sieht jemand aus?
00:15:45: Wie sieht eine Person aus, die so etwas tut und wahrscheinlich eben ganz normal... Man sieht das eben Menschen nicht an und man kann es ja mit Menschen nicht unbedingt Verbindung bringen.
00:15:58: Und da kommt natürlich auch noch dazu dass er jetzt heute in einer körperlichen Verfassung ist Mit der er wahrscheinlich diese Tat nicht hätte beginnen können.
00:16:06: Er war damals für jünger etwa Ende zwanzig Anfang dreißig.
00:16:11: Also wir sehen halt heute eine viel ältere, kränkere Version und das alles macht es sehr schwer sich das wirklich vorzustellen, dass er diese Tat begangen hat.
00:16:21: Der Angeklagte selbst hat ja nicht ausführlich ausgesagt zu den Vorwürfen aber er hat über seinen Anwalt sich doch relativ ausführlicher eingelassen also eine Erklärung verlesen lassen.
00:16:34: was ist denn seine Version der Geschichte?
00:16:36: Er räumt ein, dass er Sex hatte mit der Renate Borscht.
00:16:40: Er sagt aber, dass das ein vonnehmlicher Sex war und es keine Vergewaltigung war.
00:16:44: Und er streitet auch ab, dass sie diesen Mord begangen hat.
00:16:48: Seine Version ist, dass die Renate borscht gekannt hat durch dieses Kneipen-Umfeld in Göpping.
00:16:56: Dass er sie da eben auch in so einer Kneipe kennengelernt hat Mitgenommen hat mit dem Auto, um dann eben Sex zu haben.
00:17:04: Mit ihr auf dem Parkplatz irgendwo in der Nähe von Göpping außerhalb von Göping.
00:17:08: Genau und das Einvernehmlich war er und sie danach noch gelebt hat und ja so stellt er das da.
00:17:16: Wann genau das war also wann er da Sex mit ihr hatte?
00:17:19: Und auch wo genau es war und ob das im Auto stattgefunden hat oder draußen in der Natur daran erinnert er sich eigene Aussage nach nicht mehr.
00:17:28: Er hat auch immer wieder betont, dass das wirklich nur um den Geschäftsverkehr ging für ihn damals.
00:17:34: Dass er keine Gefühle hatte für sie oder ja, dass da irgendwie keine Beziehung zu ihr bestand, sondern dass es wirklich um die körperliche Befriedigung ging und so eigentlich eine einmalige Sache in einmaliger Seitensprung im Prinzip war.
00:17:50: Beim zweiten Prozesstag ging es dann auch viel um diese Diskothek live wo Borst und der Angeklagte wohl gemeinsam gesehen wurden.
00:17:57: So ganz genau wissen wir nicht, wo sie sich kennengelernt haben.
00:18:00: Fest steht aber irgendwo in der Göppinger Kneipenszene.
00:18:04: Denn Borscht konnte man wohl so die Aussage des Hauptermittlers basierend auf der alten Akte mehr oder weniger jeden Tag in einer dieser Kneipen treffen.
00:18:13: Die Göppinger-Kneipenszehne rund um den Bahnhof sei ihr Lebensmittelpunkt
00:18:16: gewesen.".
00:18:17: Was ich ganz interessant fand habe ich vorhin schon angedeutet.
00:18:20: er hat dann auch als es um die Obduktion ging und die Ergebnisse wurde er gefragt ob er dazu noch eine Frage hört oder irgendwas sagen will.
00:18:27: Er hat dann den Kommentar abgegeben, dass so wie Dr.
00:18:31: Kunst die Verletzung geschildert hat, das derjenige, der das getan hat einen enormen Hass in sich getragen haben muss und ich ordne das ein bisschen allen, dass er es sagen wollte damit, er hatte gar nicht diese enge Beziehung zu ihr, die tief genug ging um so'n Hass zu entwickeln also so Hasstaten mit wirklich ganz vielen Messerstichen und so kennen wir ja oft aus Beziehungs-Taten.
00:18:56: Wobei ich dazu auch wiederum sagen muss, wenn man jetzt einen Hass hat auf eine bestimmte Gruppe zum Beispiel Frauen oder Schwule.
00:19:04: Dann können die Personen ja auch manchmal einfach als Stellvertreter für diese Gruppe stehen und gehasst werden ohne dass man da wirklich persönliche Beziehungen zu ihnen aufgebaut hat.
00:19:13: Also wenn das Motiv der Staatsanwaltschaft zutrifft, dass es um die Verdeckung der Vergewaltigungen ging, die ja irgendwie per se auch schon eskaliert sein könnte dann... ist ja auch so eine Eskalation der Gewalt, das nicht völlig undenkbar.
00:19:27: Wenn man quasi alles tun möchte um zu verhindern dass es rauskommt.
00:19:31: Du hast jetzt schon ein paar mal gesagt es ging nur um die körperliche Befriedigung.
00:19:35: Renate Borst war für ihn quasi einen Niemand habe ich paraphrasiere ich jetzt Mal kommt er irgendwie in seinen Aussagen Auch ein bisschen Ein seltsames sage ich mal vorsichtig ein seltsames Frauenbild zum Vorschein.
00:19:51: Also das ist schwierig zu sagen, ich kann mich jetzt nur darauf beziehen wie er damals mit Frauen umgegangen ist oder wie er mutmaßlich damals Frauen gesehen hat und da erschien es mir schon so dass sie vor allem wichtig für ihn waren außerhalb der Ehe um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen.
00:20:07: also ein bisschen Mittel zum Zweck.
00:20:10: Er hat ja auch mehrfach gesagt den Prozess.
00:20:12: wichtig war für ihn nur dass die Renate Bost willig war und mehr ging's nicht.
00:20:19: Ja, es scheint eben so dass diese Frauen die in dieser Szene verkehrten eben recht einfachen Anführungsstrichen zu überzeugen waren.
00:20:27: von Geschlechtsverkehr hat mal gesagt.
00:20:30: Es war bekannt das man ihnen nur was ausgeben musste und getränk ausgeben muss.
00:20:33: dann sind sie mitgekommen.
00:20:35: und zur Frage warum er das außerhalb der Ehe getan hat?
00:20:41: Warum er mit anderen Frauen außerhalb Der Ehe sechs haben wollte hat er dann nun mal angedeutet, dass seine Frau ja damals zum Tatzeitpunkt Hochschwanger war und das da wohl eher nicht mehr ganz so zufrieden war mit dem Sexleben Zuhause oder dass es nicht mehr so war wie vor der Schwangerschaft.
00:21:00: Das war ein bisschen die Begründung, die er da angedeutet hat dafür, dass er da so sexuelle Kontakte außerhalb der Ehe gesucht hat.
00:21:09: Er hat wohl auch gegenüber seiner Tochter Mal von Renate Bost von der Ollen gesprochen, also er hat sich schon despektierlich über sie geäußert.
00:21:18: Das hat die Polizei mitgehört weil Sie ihn dann tatsächlich auch überwacht haben.
00:21:23: seine Telekommunikation und vielleicht noch kurz zum Frauenbild allgemein in der Zeit.
00:21:29: dafür spricht eben auch die Akte.
00:21:31: ehrlich gesagt In der Akte heißt es dass Bost eine Geistesschwäche assistiert wird oder eine Mannstollheit auch Also veraltete Begriffe die man heute nicht mehr nutzen würde Und demnach hat sie auch einen Vormund gehabt in der Jugend und war da auch eine Jugendhilfe-Einrichtung untergebracht.
00:21:48: Dort habe sich eben auch laut der Akte schnell zu Männern hingezogen gefühlt, sich schnell an diese geklammert wie der Hauptermittler eben dieser Akte wiedergab.
00:21:59: Vor Gericht werden die Begriffe schon ein bisschen eingeordnet.
00:22:02: aus heutiger Sicht – so richtig weiß man ja nicht was jetzt Geisterschwäche genau bedeuten soll.
00:22:06: Wahrscheinlich würde man heute eher von vermindeter Intelligenz
00:22:10: sprechen.".
00:22:11: Und natürlich auch das Wort Mannstollheit ist ein sehr veraltetes Wort.
00:22:15: Ich weiß jetzt nicht, ob man damals eine Mann zum Beispiel einen männlichen Opfer Frauen-Tollheit unterstellt hätte – ich weiss es nicht!
00:22:21: Also so ein bisschen klingt das alles schon durch wie was für ein anderes Frauenbild in nachtziger Jahren doch noch geherrscht hat?
00:22:28: Ja und die Abwertung spürt man da schon deutlich vom Angeklagten aus dass er auf diese Frauen, die linksen Kneipen verkehrt haben wirklich herunter gepflegt hat.
00:22:40: Ich selbst gehe davon aus, dass das Frauen waren die ja vielleicht auch abhängig waren von Alkohol.
00:22:47: Dass sie obdachlos waren und deswegen so schnell bereit waren da auch mit den Männern mitzugehen weil sie eben was dafür bekommen haben sei es jetzt ein Getränk.
00:22:57: Und ja also sind schon schlimme Zustände die da auch geschildert wurden im Prozess muss ich sagen
00:23:05: Auch über die Lebensumstände von Renate Bors tatsächlich ohne festen Wohnsitz wohl war und eben in dieser Göpping-Aberbahnhauskneipenszene ihren Lebensmittelpunkt einfach hatte.
00:23:18: Genau, ich denke das eine ist die soziale Lage, in der jemand isst und sicherlich wenn da Abhängigkeiten eine Rolle spielen und dann Monossoßigkeit sind einfach Leute leicht auszunutzen sind diese Menschen... Da würde ich jetzt von Suchkrankheiten sprechen und es weniger von Mannstollheit oder irgendwelche Charaktereigenschaften, die sie sich daraus ableiten.
00:23:38: Ich denke, das hat man vielleicht damals in den Achtzigern noch nicht so ganz voneinander getrennt.
00:23:44: Ich glaube wir könnten jetzt auch nochmal ein paar Informationen zusammenführen.
00:23:47: ist es gerade schon kurz angeklungen über eine biografische Dinge des Angeklagten?
00:23:51: also der Mord geschieht Ende Februar Anfang März nachtundundundunfünfund achtzig.
00:23:56: Renate Bosst ist zu dem Zeitpunkt eindreißig Jahre alt.
00:23:59: Der Angeklargte ist etwa auch im Alter und jetzt gibt es zwei Informationen die schon bemerkenswert sind seine Tochter etwa vierzig Jahre alt.
00:24:10: Die Tat ist einen vierzig jahre her, also muss du hast schon gesagt die Tat stattgefunden haben während seine Ehefrau schwanger war mit der Tochter und das gibt dem Ganzen natürlich so ein bisschen anderen Rahmen auch.
00:24:24: wie diese Familienkonstellation dann für die Jahre weitergemacht hat?
00:24:28: Genau!
00:24:29: Also die Frau war hochschwanger oder war schwanger auf jeden Fall.
00:24:33: Die Tochter kam dann im Sommer zur Welt, also ein paar Monate nach der Tat Und er hatte auch schon ein kleines weiteres Kind.
00:24:42: Ja, es war einen Seitensprünger und hat dann mehrfach gesagt, dass er große Angst hatte, dass das rauskommt, dass seine Frau davon erfährt.
00:24:50: Das hat ihn wohl sehr beschäftigt – zumindest stellt er das so dar!
00:24:54: Und er hat wohl auch aufgrund dieser Angst, dass dieses Ganze herauskommt damals bei Befragungen der Polizei nach der Tat sich in lügen Geschichten verstrickt um das ganze eben... Ja, zu verdecken und ein Stück weiter rote zu spielen.
00:25:12: Also der Hauptermittler hat zum Beispiel auch berichtet nach der Hausdurchsuchung wurde der angeklagte ja zunächst verhaftet und auf dieser Fahrt hat wohl der Angeklagter genau das was Julia gerade geschildert hat eben gegenüber auch eingeräumt dass er aus Angst darüber dass seine Frau von diesem Seitensprung erfährt vieles nicht gesagt hat und sie das auch glaube ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste.
00:25:35: Sie hat das dann bei einer Vernehmung erfahren?
00:25:38: Das ist ein Punkt, den wir uns natürlich merken.
00:25:41: Der aber auch gut überleitet
00:25:43: zu
00:25:44: dem nächsten Komplex, den hier aufdecken wollen.
00:25:48: Nämlich man hatte jetzt schon gemerkt der Angeklagte von heute war schon damals im Visierter Ermittler.
00:25:54: er wurde befragt weil es sich da eben Kontakte gab.
00:25:58: Hat sich damals schon in Aussagen verstrickt.
00:26:01: Das bringt uns zu dem Thema, das uns ja auch lange Rätsel aufgegeben hat.
00:26:05: Nämlich der Frage wie die Ermittler jetzt überhaupt auf die Spur des Angeklagten wieder gekommen sind nach all den Jahren.
00:26:12: Mord verjährt?
00:26:13: Ja nicht!
00:26:14: Das wissen alle True Crime-Cannons natürlich.
00:26:16: aber nach allen Jahren und das wissen wir auch durch unsere intensive Berichterstattung zum Beispiel zum Ulmer Cold Case Fall Raphael Blumenstock ist es eben extrem schwierig wirklich nochmal entscheidend voranzukommen in solchen alten Fällen.
00:26:29: Hier aber gibt es diese eine Spur, die aus der Sicht der Ermittler alles verändert.
00:26:35: Was ist denn diese Spur?
00:26:36: Was haben wir hier ermittelt vor Gericht
00:26:38: geschildert?".
00:26:39: Da muss man auf den zweiten Prozesttag Bezug nehmen, wo genau dieser Frage im Raum stand und zwar kann dann jetzt zum ersten Mal auch der Hauptermittler von heute sozusagen mal vor.
00:26:53: federführend ist da die Kriminalpolizei Göppingen Und alles angefangen hat während der Corona-Pandemie.
00:26:58: tatsächlich, da hat der, ich nenne jetzt mal Flapsic Chef der Kriminalpolizei angewiesen, Cold Cases nochmal überprüfen zu lassen.
00:27:07: Natürlich auch mit heutigen kriminartechnischen Möglichkeiten und entscheidend dabei war im Fall von Renate Boas das tatsächlich noch aus dem Jahr five und achtzig den Arschpuren vorhanden waren.
00:27:19: die sind gesichert worden.
00:27:20: damals ist das natürlich schon seltsam, aber die wurden auf dem Dachboden des Kriminalkommissariats in Köppingen gelagert über vierzig Jahre lang.
00:27:30: Dieser Dachboten ist jetzt kein schlimmer Ort dafür.
00:27:33: Die waren fachgerecht mal gelagart.
00:27:36: unter anderem waren Abstriche von der Leiche dort über Jahrzehnte hinweg oben aufbewahrt worden und der Kriminaltechniker hat dann nach und nach diese ganzen Proben nochmal nach Stuttgart geschickt um sie überprüfen zu lassen.
00:27:51: Es gibt ja eine DNA-Datenbank der Polizei und hat versucht, die abgleichen zu lassen mit den Leuten, die da drin registriert sind.
00:27:58: Das hat allerdings erst mal keine Treffer ergeben.
00:28:02: Und die Beamten sind dann erstmal nochmal die Akte auch durchgegangen systematisch.
00:28:07: Dabei sind sie eben auf drei Männer gestoßen, die nicht damals DNA-Proben abgegeben haben.
00:28:13: Darunter war der Angeklagte.
00:28:16: Diese drei Männer wurden dann aufgesucht und mussten Speichelproben abgeben Und beim abschließenden Abgleich kam es dann tatsächlich zu einem Treffer.
00:28:24: Damals gesicherte Spermarspuren an der Leiche konnten den DNA des Angeklagten zugeordnet werden.
00:28:31: Da ist die Cold Case Machinerie in Gang gekommen und hat diesen alten Fall plötzlich wieder aktuell gemacht, es gibt eben diesen DNA-Treffer, die eine heiße Spur, die man damals aus welchen Gründen auch immer verpasst hat?
00:28:46: Wie geht das weiter?
00:28:47: Ich
00:28:47: würde nicht sagen dass man die DNA-Spur verpasste hat.
00:28:50: Es gab damals einen anderen Hauptverdächtigen.
00:28:52: Der lebt nicht mehr, allerdings und dem konnte auch nie was bewiesen werden.
00:28:55: Und natürlich waren damals die kriminaltechnischen DNA-Analysen bei Weitem noch nicht so weit wie sie heute sind.
00:29:01: Auf jeden Fall – Sie haben den kompletten Fall dann neu aufgerollt!
00:29:04: Sie haben die Akte systematisch aufbereitet und haben geprüft welche weiteren Spuren sie denn mit heutigen Methoden nochmal untersuchen könnten... ...und der Hauptermittler der Kriminalpolizei Göppingen, Zum Tatzeitpunkt selber erst vier Jahre alt war, also das verdeutlicht ein bisschen auch mit was wir es hier zu tun haben.
00:29:20: Dass er auch nur die Akte erstmal hat auf die er seine ganzen Ermittlungen fußen kann.
00:29:27: Der hat aber auf jeden Fall ausgesagt dass sie dann immer wieder versucht haben den Tatverdach gegen den Angeklagten zu erhärten.
00:29:34: Das heißt Sie haben verschiedene Ermittlungen dann aufgenommen gegenüber dem Angeclagten.
00:29:38: unter anderem haben sie eine Hausdurchsuchung durchgeführt.
00:29:41: Das war im Jahr zwei tausend fünfundzwanzig und da haben sie unter anderem nach Schmuck gesucht, der von Renate Bost stammen soll.
00:29:50: Also er war nicht mehr am Fundort das geht um einen Ring oder eine Kette Und auch vor allem aber nach digitalen Geräten weil Sie gedacht haben vielleicht gibt es irgendwie was auf den Notizen oder sowas oder irgendwelche Google Suchverläufe die dafür sprechen könnten dass er diese Tat begangen hat.
00:30:08: Allerdings haben sie nichts gefunden.
00:30:10: Sie haben Pornos gefunden, aber sonst nichts.
00:30:15: Daraufhin haben sie ihn aber auch erst mal mitgenommen nach Köppingen und ihnen verhört genauso seine Frau Und das muss der Zeitpunkt gewesen sein wo die frau auch zum ersten Mal davon gehört hat meine ich.
00:30:26: Sie haben dann darauf hin auch eine Innenraumüberwachung im PKW des angeklagten installiert genau so die besagte Telekommunikationsüberwachungen aller telefonischen Geräte und sie haben dann auch tatsächlich mitbekommen wie der Angeklagte auf der Rückfahrt nach der Vernehmung aus Göppingen seiner Frau den Seitensprung gebeichtet hat mit Renate Borscht, aber die Tat also dem Mordvorwurf abgestritten hat.
00:30:52: Und vielleicht noch eine Sache was die Ermittler auch versucht haben war man hat wohl ein Blatt im BH von Renate borscht damals gefunden Ein Ahornblatt.
00:31:02: das war auch noch da auf dem Dachboden oben nach über vierzig Jahren Und das haben sie auch versucht DNA-technisch zu untersuchen, weil das sei wichtig gewesen da der Chef des Angeklagten damals ein Grundstück entdecken hatte.
00:31:19: Das war gar nicht so weit weg vom leichen Fundort.
00:31:21: und dann haben Sie überlegt ob dieses Blatt vielleicht von Bäumen stammen könnte die auf diesem Grundstuck des Chefs stehen und nicht vom Fundort der Leiche?
00:31:33: haben das Blatt versucht zu untersuchen.
00:31:34: Es sind Spitzahren, also keine seltene Baumart aber leider war dieses Blatt einfach schon viel zu alt dafür.
00:31:40: Das hat es nicht hergegeben da konnte kein DNA-Muster extrahiert werden.
00:31:45: Bäume können auch nach vierzig Jahren noch so zeigen werden.
00:31:48: in diesem Fall hat's nicht geklappt und insgesamt hast du ja gerade ein bisschen geschildert wurden ja große Anstrengungen unternommen um außer der DNA-Spur noch weitere Beweise zu finden mit der Observation, Wanze im Auto, Handy, Telefonüberwachung.
00:32:08: Aber so richtig viel kam nicht raus ne?
00:32:10: Nein.
00:32:11: also wie gesagt die Hausdurchsuchungen hat nichts ergeben.
00:32:16: sie hatten dann durch die Telekommunikationsüberwachungsbeichte des Angeklagten gegenüber seiner Frau aber gleichzeitig eben auch das Abstreiten des Mordvorwurfs.
00:32:27: und ehrlich gesagt Sie haben halt vor allem die DNA-Spur, aber das muss man schon aussagen.
00:32:33: Natürlich wenn man von einem Sexualdetekt ausgeht sehr wichtig ist.
00:32:37: Aber mehr haben all diese Ermittlungen erst mal nichts zu Tage gefördert.
00:32:42: Eine Sache, die wohl etwas heikel ist.
00:32:44: juristisch, wenn ich es richtig verstanden habe Es is ja von einer Vorstrafe des Angeklagten auch wegen Vergewaltigung Die Rede gewesen sage ich mal ganz vorsichtig
00:32:56: Ja, das ist alles ein bisschen mysteriös.
00:32:58: Weil es keine Akten mehr dazu gibt.
00:33:01: tatsächlich und das ist auch für das Gericht ungewöhnlich der Richter hat das mal so ein bisschen scherzhaft formuliert da war der Datenschutz und die Reinigung der Archive sehr gründlich Und dass ist schon irgendwie krass.
00:33:14: also anscheinend saß der Angeklagte schonmal im Gefängnis wegen Vergewaltigungen und dazu gibt's einfach keine akten mehr und Das ist einfach nicht mehr beweisbar.
00:33:24: Also man weiß es zum einen durch die Akte, aber der Angeklagter selbst hat das dann zugegeben.
00:33:29: Hätte er das nicht gemacht, wüsste man das jetzt gar nicht genau und die Vorwürfe drehen sich jedenfalls auch um eine Vergewaltigung aus dem Jahr nineteenhundert achtzig also ein Jahr vor Renate Borst Und ebenfalls mit einer Frau als eine Kneipe, die er mit dem Auto mitgenommen hat und diese soll er dann aufm Feldweg vergewaltigt haben.
00:33:49: Diese frau ist inzwischen aber verstorben sie hat aber wohl in einer Art Tagebuch diese Tat festgehalten, in einem Satz.
00:33:56: Und also der Angeklagte selbst hat gesagt dass er wegen dieser Vergewaltigung und dann tatsächlich wegenfahren ohne Führerscheins zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde.
00:34:05: beide Strafbestände wurden zusammen gezogen und davon saß er wohl anderthalb Jahre im Gefängnis.
00:34:11: Okay und wenn ich es richtig verstanden habe ist das jetzt so als Hintergrundstrahlung irgendwie bekannt im Prozess aber man darf es nicht so richtig als Beweismittel einführen weil Man ist sozusagen streng juristisch, die beweisen kann.
00:34:25: Es gibt nur diese Anmerkung, die er mal selber gemacht hat und das wird im Prozess gerade etwas hin- und hergewogen, versteht es richtig?
00:34:35: Ja
00:34:35: bzw.,
00:34:37: wenn es diese Akten nicht mehr gibt so habe ich das verstanden, ist es erstmal unverwertbar.
00:34:42: Allerdings hat jetzt der Haupttermittler noch vorgeschlagen in der Rentenversicherung des angeklagten Nachzuforschen ob damals Beiträge gezahlt wurden zu der Zeit.
00:34:53: Weil wenn die ausgeblieben sind, dann spricht das dafür dass er vielleicht in Haft war und der Richter hat jetzt tatsächlich ihn damit quasi beauftragt um den Staatsanwalt dass er das bitte tun soll.
00:35:04: Das heißt jetzt gucken wir mal ob er dazu im Laufe des Verfahrens noch was sagt.
00:35:10: Vielleicht auch noch eine Sache es gibt wohl auch noch Vorstrafen aus den siebziger Jahren wobei auch wohl diese unverwertbar sind weil es eben auch keine Akten mehr dazu gibt.
00:35:20: Und als der Hauptermittler basierend auf der Akte von damals diese Aufzählen wollte, hat der Richter ihn abgebremst und hat gesagt ziemlich deutlich das gibt es nicht mehr.
00:35:32: Wir wissen auch nicht ob's bei diesen Taten aus den Siebzigern auch um Sexualstrafftaten geht oder vielleicht auch um ganz andere Dinge.
00:35:41: also das ist völlig unklar.
00:35:42: Ich
00:35:43: weiß nicht verlesen werden durfte obwohl es in der alten Akte zum Mord steht aber die Ursprungsakten nicht mehr da sind.
00:35:51: Ja, also ein bisschen keine Juristen.
00:35:52: vielleicht müssen wir da auch noch mal nachhaken.
00:35:56: spannendes Thema Wir bleiben dran.
00:35:59: Ich habe ja letztes Jahr auch zum Thema Blumenstock den Ulmer Cold Case Amitler eine Manuel Köhler interviewt und der hat uns da schon auch erzählt dass bei Fällen die so viele Jahrzehnte alt sind manche Asservate und Akten einfach verschwinden.
00:36:13: Ob es der Datenschutz ist dann nicht immer schuld Manchmal ist es einfach einen Wasserschaden der dann im Poetzei Revier im Keller irgendwie alles kaputt macht.
00:36:22: Deswegen ist vielleicht gar keine schlechte Idee die Sachen auf dem Dachboden zu stellen, also viel Kudos an Polizei-Göppingen und manche Dinge wurden aber auch nicht ganz so fachmännisch eingelagert.
00:36:32: Also bei ganz alten Fällen ist es ja so dass dann damals die DNA Technik noch gar nicht so bekannt war oder vielleicht war sie schon bekannt, aber man hat ja dann trotzdem die Sachen einfach mit den Händen angefasst.
00:36:44: Auch Brände gibt es natürlich, die Akten vernichten.
00:36:46: Also das ist tatsächlich bei Cold Cases so das tägliche Brot der Ermittler.
00:36:49: Darum ging's auch am zweiten Prozesstag.
00:36:51: da hat der Richter auch nachgefragt und alle Beteiligten wie die Asservate gelagert waren und das war schon fachgerecht.
00:36:58: also diese Abstriche das waren mehrere Wattestäbchen die luftdicht verpackt waren und in einem Karton Lichtgeschützt dann gelagart wurden.
00:37:06: zu dem gab's damals Haare, die sichergestellt wurden, meine ich.
00:37:10: Die in so Mikroskopgläsern gelagert wurden... Da hat der Kriminaltechniker ausgesagt, die sind leider alle zerbrochen.
00:37:17: Das konnte man vergessen!
00:37:18: Die haben sie auch aneinander geklebt und auch der BH war ja dort oben die ganze Zeit.
00:37:28: Es ist schon etwas flapsig gewesen, aber da meinte der Kriminaltechniker, dass eine Frau die den Untersuchtheit wohl gesagt hat bessere Qualität als es heute ist.
00:37:37: Weil immer noch die Träger waren wohl super stabil und so weiter.
00:37:41: Ja das nur als kleiner Einschub.
00:37:43: Es wurde zum Thema gemacht, aber es war wohl größtenteils einfach fachgerecht gelagert.
00:37:48: Also wir haben jetzt hier ein bisschen paar juristische Feinheiten und auch paar mal Schwierigkeiten diese Ermittlungen beleuchtet und auch vielleicht angedeutet, dass die Beweislage gar nicht so einfach ist.
00:38:01: Deswegen würde ich an der Stelle auch mal kurz noch ein Disclaimer einschieben.
00:38:06: Wir befinden uns ja immer noch mitten im Prozess.
00:38:08: Es gibt zwar eine Anklage Der siebzigjährige ist eben deswegen einen Angeklagter Und er wird von einer Staatsanwaltschaft beschuldigt, der Täter zu sein.
00:38:18: Die Staatsanwältschaft glaubt auch das die Beweise gegen ihn ausreichen.
00:38:23: Aber natürlich gibt bis weiterhin die Unschuldsvermutung und wir bewegen uns im Bereich der sogenannten Verdachtsberichterstattungen.
00:38:31: Es gibt eben kein Geständnis, es gibt auch noch keinen Urteil logischerweise und schon gar kein rechtskräftiges Urteil.
00:38:38: Das heißt also nur um es einmal festzuhalten ob der Angeklagte auch der Täter ist.
00:38:42: das muss das Gericht jetzt entscheiden am Ende des Prozeses und gegebenenfalls wird dieses Urteil dann auch nochmal überprüft wenn's eine Revision gibt.
00:38:52: Bei allem, was wir zusammen tragen muss das einmal gesagt sein.
00:38:55: Die Unschutzvermutung gilt natürlich.
00:38:57: Das vorausgeschickt kann man natürlich trotzdem im Rahmen dieser Verdachtsberichterstattung über den Angeklagten berichten.
00:39:06: Was wissen wir denn wirklich über ihn und die persönlichen Verhältnisse?
00:39:10: wie sah sein Leben aus?
00:39:12: damals in nachtzigern aber auch seitdem?
00:39:16: Ja also wie gesagt hat er damals schon Familie kleines Kind Frau war schwanger Er hat nachts als Fahrer gearbeitet, also er war Zeitungszusteller.
00:39:27: Allerdings ist es nicht lokal sondern in einem größeren Gebiet.
00:39:29: War dann immer so ab achtzehn, dreißig, neunzehn Uhr beruflich unterwegs und hat tagsüber dann eben auf diese Kneipen besucht von denen er jetzt auch schon ganz oft die Rede war.
00:39:41: Er hatte das auch selber im Prozess als Milieu bezeichnet Und war da wo so zwei bis dreimal die Woche, nachmittags eben vor der Arbeit dort.
00:39:53: Gerade diese eine Kneipe Sorg hat er mehrfach erwähnt und hat gesagt ja konnte man eben rauchen trinken.
00:40:02: Da waren diese schon auch zweifelhaften Gestalten unterwegs prostituierte Zuhälter Kleingernoven Und er hat das so ein bisschen beschrieben, es ging um Anerkennung.
00:40:13: Also wenn man Geld hatte auch mal einen ausgeben konnte.
00:40:15: da war man der König, da wurde man angesehen von den anderen, hat Freunde gehabt und ja man hat wohl die Anderen dazu animiert zu trinken was auszugeben.
00:40:27: Er hat selbst gesagt ein normales Leben in Anfangstrichen war das nicht so den ganzen Tag in der Kneipe zu sitzen zu trinken Und er hat wohl auch mal versucht, da so ein Stück weit rauszukommen.
00:40:39: Hat ja wohl auch mit seiner Frau drüber gesprochen damals die ihm da helfen sollte aus diesem Milieu irgendwie ein Stück weiter auszusteigen.
00:40:46: ob das dann funktioniert hat wissen wir nicht.
00:40:48: also wir wissen nicht nach nünzundhundert achtzig ob er da weiterhin diese Kneipen aufgesucht hat oder nicht.
00:40:53: Er ging da wohl zum Trinken hin zum Freundetreffen hin und mutmaßlich eben auch um Frauen zu treffen.
00:41:02: Also man kann natürlich schon kurz Die Anmerkung machen, ob es so eine gute Idee ist.
00:41:06: Wenn man abends als Fahrer seinen Job ausübt vorhört den ganzen Tag in Kneipen einzuheben.
00:41:12: das war auch nass von achtzig noch nicht zulässig meines Wissens.
00:41:16: Gibt es denn aus der Zeit danach noch Informationen?
00:41:20: Also hat er diesen Beruf weiter ausgeübt.
00:41:23: sind danach noch irgendwelche Vorstrafen angefallen oder war danach alles eitel Sonnenschein und normales Familienleben?
00:41:31: also Was wir wissen ist, dass er wohl irgendwann gekündigt wurde bei diesem Job.
00:41:36: Das hatte wohl auch eben mit dieser gutmaßlichen Gefängniszeit zu tun.
00:41:40: also das er dann ja eben diese Strafe absetzen musste und was wohl im Grund war ihn zu kündigen wie es dann weiter ging ob er weitere Jobs hatte oder weiter gearbeitet hat das wissen wir alles nicht.
00:41:53: zumindest hat er sich wohl nichts mehr zu Schulden kommen lassen nach diesen Taten.
00:42:02: Und ja, also ob er das jetzt nun war oder jemand anderes ist ganz schwer vorstellbar.
00:42:09: Dass jemand mit diesem Wissen jemanden umgebracht zu haben weiterlebt über Jahrzehnte und man stellt sich schon so die Frage wie geht es?
00:42:18: Wie kann man mit so einem Wissen leben?
00:42:19: vielleicht muss man das auch ein Stück weit verdrängen um weitermachen zu können.
00:42:23: Wie gesagt, es ist natürlich keineswegs bewiesen dass der Angeklagte auch der Täter war.
00:42:27: aber so diese Vorstellung im Kopf Es gibt diese brutale Tat die eben einfach aufgrund ihrer Massivität der Gewalt schon sehr heraussticht und vielleicht auch nicht die erste Straftat war oder dass dann danach jemand völlig unbescholten überhaupt nie mehr auffällig wird.
00:42:45: Das ist ja auch ein Fragezeichen, das man zumindest bei diesem Fall auch im Kopf haben kann, dass man sowas macht und dann vierzig Jahre biederer Familienvater bleibt und nie mehr rückfällig.
00:42:58: Da kann man zumindest in eine oder andere Richtung ein Fragezeichen haben.
00:43:02: Es ist ja auch so, die Verteidigung versucht ja auch Zweifel zu sehen und versucht auch andere Männer teils lebendig, teils schon tot als mögliche Täter ins Spiel zu bringen.
00:43:15: Was ist denn da jetzt auch noch an Beweisaufnahmeanträgen im Spiel?
00:43:20: Wer kommt dann noch infrage und wie geht es jetzt weiter?
00:43:23: Also erstmal geht's so weiter dass jetzt wahrscheinlich weitere Zeuginnen und Zeugen noch gehört werden.
00:43:28: Das genaue Programm kennen wir nicht, also wissen jetzt nicht ob die aus dem sozialen Umfeld des Opfers kommen oder aus seinem sozialem Umfeld.
00:43:35: Es sind jedenfalls noch vier weitere Prozest-Tage angesetzt und ja unklar ist auch inwieweit das Gericht da diesen weiteren Beweisanträgen der Verteidigung stattgeben wird.
00:43:46: Du hast schon gesagt er geht es um... andere Männer, die in Renate Bosts Umfeld damals waren und teilweise auch verdächtigt worden sind.
00:43:54: Verena, die am zweiten Prozesttag vor Ort war, weißt du noch mehr über diese anderen Männer der Name jetzt immer wieder gefallen sind?
00:44:03: Tatsächlich sind sehr viele Männernamen am zweiten Verhandlungstag aufgeploppt so dass das Gericht selber durcheinander kam.
00:44:10: aber ein bisschen hat sich rauskristallisiert, dass es wohl einen On-off Partner von Renat de Bost gab Und er hat sie wohl immer wieder zurückgenommen, um es so mal zu formulieren.
00:44:23: Er war sich laut dem Ermittler wohl auch bewusst dass das vielleicht nicht gesund ist was er da tut weil Renate Bostin immer wieder wohl verlassen hat für andere Männer Sie dann aber wohl immer weiter zurück haben und er sie ja auch zurück genommen hat.
00:44:34: So hat es seine Schwester wohl damals ausgesagt Und unter anderem hat sie ihn wohl im Januar fünfundachzig dann verlassen oben mit jemand Anderem sich zu verloben.
00:44:45: tatsächlich Diese Verlobung hielt aber nur wenige Wochen und dann wurde sie einvernehmlich wohl aufgelöst.
00:44:50: So steht es wo in den Akten, das hat der Hauptermittler so ausgesagt Und natürlich versucht die Verteidigung jetzt auch einen wenig danach zu forschen ob es sein könnte dass weil der Angeklagte sagt ja ich habe Sie nicht getötet Ich hatte Sex mit ihr und hab sie dann aber wieder zurück nach Köppingen gefahren Ob es dann eben einen dritten Mann geben könnte der Renate Bost Nicht vergewaltigt hat Aber umgebracht hat.
00:45:15: Das ist jetzt so ein bisschen der Knackpunkt an der Geschichte auch.
00:45:18: Der Richter wollte dann von einer DNA-Spezialistin, von einer Biologin wissen ob es noch Anhaltspunkte dafür gibt dass noch eine dritte Person sexuellen Kontakt mit ihr hatte aufgrund der DNA Spuren.
00:45:32: Sie hat aber ausgesagt das ihr dafür keine Anhalzpunkte vorliegen.
00:45:36: Hat das also ausgeschlossen dass Renate Bors noch mit jemand anderem Geschlechtsverkehr hatte?
00:45:42: Man bekommt so einen Gefühl dafür wie schwierig das alles ist vor Gericht aufzuarbeiten.
00:45:48: Natürlich gibt es Beweise, Indizien aber auch alternative Theorien die jetzt von der Verteidigung ins Spiel gebracht werden.
00:45:56: vielleicht kann man auch nach so vielen Jahren vieles gar nicht ganz ausschließen.
00:46:01: Das ist ja dann alles berechtigte Wahrscheinlichkeitsrechnung.
00:46:04: vielleicht was ist denn euer Zwischenfazit?
00:46:06: Jetzt zu diesem Prozess.
00:46:08: Was denkt ihr über den Fall und den möglichen Täter?
00:46:12: also Vor allem am zweiten Verhandlungstag hatte ich den Eindruck, wie schwierig eine Aufarbeitung solch eines über vierzig Jahre alten Falls ist.
00:46:22: Weil ganz vieles lässt sich nur noch anhand der Akte, anhand von Spuren und Indizien rekonstruieren.
00:46:29: Wie gesagt auch der Hauptermittler war damals vier Jahre alt, ganz viele vernehmungsbeamte leben nicht mehr.
00:46:35: Teil sind deswegen manche Sachen nicht verwertbar vor Gericht.
00:46:40: Zum Abschluss stellte die Verteidigung dann noch einen weiteren Ermittlungsantrag.
00:46:44: Ich finde es ein bisschen schwierig, einzuschätzen... Es kann beides passieren!
00:46:48: Der angeklagte Kann verurteilt werden oder auch freigesprochen werden.
00:46:52: Das wirkt ein wenig dünn.
00:46:55: nach zwei Verhandlungstagen die Beweislage.
00:46:59: Ja ich will mir da jetzt auch keinen Urteil anmaßen sozusagen aber auf mich wirkt's eher dünnn.
00:47:07: man hat ja im Prinzip Nur in Anführungsstrichen, das natürlich schon stark ist.
00:47:11: In diesem hat nur diese Sperma-Spur den Artreffer.
00:47:16: alle weiteren Maßnahmen liefen ja sozusagen ins Leere und rein theoretisch könnte es sein Es gab diesen Geschäftsverkehr mit dem Angeklagten was jetzt eine Vergewaltigung oder auch nicht Und danach könnte ein dritter Mann ins Spiel gekommen sein der zwar keinen Geschlechtsverkehr hatte sie aber getötet haben könnte.
00:47:36: Das wäre momentan Denkbar und das zählt natürlich schon Zweifel.
00:47:42: Und führt eben dazu, dass ich mir da auch sehr unsicher bin ob das ausreicht.
00:47:47: Es kann sich aber natürlich alles noch ändern.
00:47:49: es kann noch zu Wendepunkten kommen in den Prozess.
00:47:52: wir wissen ja nicht genau wer jetzt noch alles gehört wird wie's weitergeht.
00:47:55: von dem her sind wir sehr gespannt was sich dann noch alles ergibt.
00:47:59: Ja und wie du sagst gleichzeitig so.
00:48:01: diese eine DNA Spur ist natürlich auch sehr außergekräftig In dem Sinne keine anderen DNA-Spuren so in diesem Ausmaß vorhanden, dass es irgendwie auch unwahrscheinlich wirkt, dass da noch mal ein dritter Mensch den man bisher gar nicht im Blickfeld hatte auftaucht.
00:48:18: Und das ist natürlich auch eine starke Theorie dieser Kombination nacktes Opfer, Sperma und Sexualdelikt der dann es escaliert ist.
00:48:27: also das macht schon Sinn ist schon plausibel.
00:48:29: Genau ich glaube eine Schwierigkeit ist einfach wenn's so lang her ist man nicht genau weiß wann die Tat eigentlich genau passiert ist Weiß man da gar nicht, ob man nach Malibis fragen kann.
00:48:40: Wo waren sie am Mittwoch?
00:48:41: Wo waren Sie am Donnerstag oder Freitag?
00:48:43: Also wenn man es gar nicht so genau festlegen kann, wanns passiert ist dann fallen manche Ermittlungsmethoden dann auch flach und vierzig Jahre später sowieso der viele die man fragen könnte schon tot sind.
00:48:55: Ich glaube wir machen jetzt an dieser Stelle auf ins Schwerfeld ein Punkt.
00:49:00: Es bleibt auf jeden Fall spannend, wir bleiben dran.
00:49:03: Ihr beide bleibt dran und es wird natürlich noch mindestens eine weitere Folge geben.
00:49:08: zum Cold Case Renate Borscht.
00:49:12: Ich sage jetzt an der Stelle vielen Dank Julia und Verena dass ihr uns heute ein Update gegeben habt zu diesem spannenden Fall.
00:49:19: Wir halten unsere Hörerinnen und Hörern weiter auf dem Laufenden ob der Cold Case RENATE BORST nach all den Jahren noch gelöst wird.
00:49:27: Euch beiden bis dahin, vielen Dank, dass ihr da wart.
00:49:30: Ja, vielen dank, dass wir da sein durften!
00:49:33: Vielen Dank auch an euch liebe Hörerinnen und Hörern fürs Zuhören.
00:49:37: Bleibt uns wie immer gewogen und lasst gerne im Podcast Player eures Vertrauens eine Sterne-Bewertung oder eine Rezension dar – oder beides – das hilft uns nämlich sehr.
00:49:46: Und da möchte ich jetzt besonders unseren Hörerin auf Spotify ins Gewissen reden.
00:49:51: Wir haben bei Spotify inzwischen mehr als neunhundert Bewertungen und wollen da endlich die Tausende mal geknacken, bitte helft uns dabei.
00:49:57: Also wenn euch Akte Südwest gefällt, bewertet uns gerne auf Spotify oder bei Apple Podcasts oder sonst irgendwo anders – wie gesagt es hilft uns sehr!
00:50:06: Und für Feedback, Wünsche und Kritik irgendwelche Anregungen loben nehmen wir auch per Mail entgegen unter podcast at n-pg.de.
00:50:27: Mehr Informationen findet ihr in den Shownauts.